US-Justiz prüft Vergleich: 275-Millionen-Zahlung im Adani-Sanktionsstreit

Der US-Konzernumfeld gerät erneut in den Fokus: Ein Unternehmen, das mit dem indischen Milliardär Gautam Adani in Verbindung steht, hat sich am Dienstag auf eine Zahlung in Höhe von 275 Millionen US-Dollar verständigt, um separate Vorwürfe im Zusammenhang mit mutmaßlich besonders schweren Verstößen gegen US-Sanktionen gegen den Iran beizulegen. Parallel dazu will das Justizministerium eine Betrugsanklage gegen Adani selbst fallen lassen.

Rückzug der Strafverfolgung und ungewöhnliche Entscheidung

US-Bundesstaatsanwälte planen, eine Reihe von Betrugsvorwürfen gegen den indischen Unternehmer Gautam Adani zu streichen. Grundlage dafür ist eine gerichtliche Eingabe, die auf eine außerordentliche Vorgehensweise hinweist: Die endgültige Entscheidung liegt bei einem Bundesrichter.

In der aktuellsten Entwicklung wird sichtbar, wie sich die Linie der Trump-Regierung bei der Durchsetzung von Regeln im Wirtschaftsbereich verändert. Das Justizministerium hatte am Montag beantragt, die Anklage gegen Adani dauerhaft aufzuheben. Zeitgleich kündigte die Regierung außerdem ein Vergleichspaket über 275 Millionen US-Dollar an, das ein Unternehmen betrifft, das von Adani gegründet wurde.

Vorwürfe: angebliches Fehlverhalten bei Investoren, Bestechung und Verschleierung

Bereits Ende 2024 hatten Staatsanwälte und Aufsichtsbehörden behauptet, Adani und mehrere seiner Geschäftspartner hätten einen mehr Milliarden US-Dollar schweren Plan umgesetzt. Ziel sei gewesen, Geld von US-Investoren sowie von globalen Finanzinstituten zu gewinnen – und zwar mithilfe falscher und irreführender Angaben.

  • Nach den Darstellungen des Justizministeriums sollen die Beschuldigten mehr als 250 Millionen US-Dollar an Bestechungsgeldern an indische Regierungsvertreter gezahlt haben, um Aufträge für die Belieferung mit Solarenergie zu erhalten.
  • Die betreffenden Verträge hätten voraussichtlich Erlöse in Milliardenhöhe ermöglicht.
  • Anschließend sei das Vorgehen demnach verschleiert worden, während es darum ging, in den USA Mittel einzusammeln.

In der jetzt vorliegenden Begründung heißt es, das Justizministerium habe den Fall geprüft und sich im Rahmen seines Ermessens entschieden, keine weiteren Ressourcen für die Strafverfahren gegen einzelne Angeklagte einzusetzen.

Vergleich wegen Sanktionen gegen den Iran

Die Einigung über 275 Millionen US-Dollar steht zusätzlich zu den strafrechtlichen Plänen im Raum. Laut Ankündigung betrifft der Vergleich „offenkundig“ schwere Verstöße gegen US-Sanktionen gegen den Iran.

Im Detail geht es um Vorwürfe, die vom US-Finanzministerium über das Office of Foreign Assets Control (OFAC) erhoben wurden. Demnach habe Adani Enterprises Limited zwischen November 2023 und Juni 2025 Lieferungen von Flüssigerdgas (Liquefied Petroleum Gas) im Umfang von 191 Millionen US-Dollar von einem Händler mit Sitz in Dubai gekauft. Dabei soll das Unternehmen über Warnsignale hinweggegangen sein, obwohl die Herkunft der Energie tatsächlich aus dem Iran stammen sollte.

  • Die Sanktionsexperten warfen dem Unternehmen vor, keine angemessene Prüfung der beteiligten Schiffe vorgenommen zu haben.
  • Außerdem soll es „rücksichtslos“ gehandelt haben, indem es Hinweise ignorierte, dass die importierte Ware möglicherweise iranischen Ursprungs war.
  • Als weitere Unstimmigkeit wurden die wirtschaftlichen, kommerziellen und logistischen Plausibilitätsprobleme beim Ursprung sowie Preisgestaltung der Transporte angeführt.

OFAC erklärte, die mutmaßlichen Verstöße seien besonders schwer und nicht freiwillig selbst angezeigt worden.

Adani Enterprises, gegründet und geleitet von Adani als Vorsitzendem, räumte im Rahmen des Vergleichs keine Schuld ein. Auf eine Anfrage nach einem Kommentar reagierte das Unternehmen zunächst nicht.

Reaktionen, juristischer Kontext und Einordnung unter neuer Sanktions-Agenda

Bei der gerichtlichen Entscheidung soll es interne Spannungen gegeben haben: Die Eingabe zur Einstellung wurde zwar von einem ranghohen Justizvertreter im Hauptsitz des Ministeriums sowie vom US-Staatsanwalt für Brooklyn unterzeichnet, jedoch fehlten im Unterschriftenfeld die Namen der zuständigen Sachbearbeiter. Das könnte darauf hindeuten, dass nicht alle mit dem Fall befassten Staatsanwälte die Entscheidung mittragen.

Zu dem Team der Verteidiger, das unter anderem aus der Kanzlei Sullivan & Cromwell stammt, gehörten zwei persönliche Rechtsanwälte von Donald Trump: Robert Giuffra Jr., der als Co-Vorsitzender genannt wird, sowie James McDonald. Eine unmittelbare Stellungnahme blieb aus.

Die Entwicklung erinnert zudem an eine Entscheidung der Justizbehörde Anfang des vergangenen Jahres, als die Strafverfolgung gegen den damaligen New Yorker Bürgermeister Eric Adams eingestellt worden war. In jenem Zusammenhang hatte der oberste Bundesankläger in Manhattan seinen Rücktritt eingereicht; außerdem kritisierten mindestens sechs weitere Bundesstaatsanwälte in New York und Washington die Entscheidung und zogen ebenfalls Konsequenzen.

In dem Adams-Fall hatte ein Bundesrichter schließlich der Einstellung zugestimmt und dabei betont, er habe keine andere Wahl, falls die Staatsanwaltschaft die Verfolgung nicht weiter betreiben wolle. Er schrieb, „hier rieche alles nach einem Deal“.

Der Schritt im Adani-Verfahren wird vor diesem Hintergrund als Hinweis auf eine neue, zurückhaltendere Vollzugspolitik verstanden. Trump-Regulierer und Staatsanwälte hätten dem Wirtschaftssektor gegenüber seit dem vergangenen Jahr einen anderen Ton angeschlagen. Das wird als deutlicher Richtungswechsel zu einer früheren, besonders konsequenten Linie dargestellt, mit der Behörden unter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden gegen Konzerne und die Finanzbranche vorgegangen waren.

Weitere Schritte im Adani-Komplex und internationale Sanktionsziele

Die Regierung setzt derweil die Bemühungen fort, andere Ermittlungen gegen Adani und seine Firmen in den letzten Tagen zu beenden. Adani zählt zu den reichsten Menschen Asiens und gilt als enger Verbündeter des indischen Regierungschefs Narendra Modi.

Auch die US-Börsenaufsicht (SEC) hatte zuletzt eine Einigung verkündet: Vor einer Woche wurde ein Vergleich über 6 Millionen US-Dollar mit Adani geschlossen, um Vorwürfe der Behörde beizulegen.

Das Sanktionsverfahren wird zudem in den größeren politischen Kontext eingeordnet. Das US-Finanzministerium will die Sanktionen gegen die iranische Energiebranche verstärken. Dazu zählt eine Kampagne mit dem Namen „Economic Fury“, deren Ziel darin besteht, die Wirtschaft Irans unter Druck zu setzen. Finanzminister Scott Bessent rief am Montag G7-Partner dazu auf, ihre Sanktionen gegen den Iran weiter zu verschärfen.

Der erwartete Schritt der Justiz, den Fall fallen zu lassen, zeichnete sich bereits seit Tagen ab. In Berichten wurde zudem erwähnt, dass Adanis Team im Zuge der Gespräche angeboten habe, 10 Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft zu investieren.