Unterstützung durch Donald Trump oder durch einflussreiche Interessenverbände kann für Kandidatinnen und Kandidaten in den umkämpften Wahlkreisen im Herbst eher Gegenwind auslösen als zusätzliche Zustimmung bringen. Neue Ergebnisse zeigen, dass die politische Wirkung solcher öffentlichen Signale deutlich davon abhängen kann, wie das jeweilige Publikum darauf reagiert.
Untersuchungen zur öffentlichen Meinung deuten darauf hin, dass sich besonders Republikaner, die in diesem Jahr in sogenannten Swing-Districts antreten, vor allzu sichtbarer Rückendeckung durch große politische Akteure oder organisierte Gruppen in Acht nehmen müssen. Denn: In vielen Fällen entsteht eine Gegenreaktion bei Wählerinnen und Wählern, die die Effekte zusätzlicher Unterstützung übersteigt.
Für die laufende Erhebungsreihe misst ein gemeinsames Projekt die Stimmung in der Bevölkerung über viele Politikfelder hinweg. Die Studie wurde von einem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in London durchgeführt; monatlich werden neue Umfragen und Auswertungen veröffentlicht.
Der Befund lautet: Rückhalt durch einzelne Gruppen kann zwar insgesamt helfen, doch der Charakter der Unterstützung entscheidet darüber, ob sie netto positiv oder negativ wirkt. So fanden die Auswertungen, dass eine Unterstützung durch einige Organisationen – darunter solche, die sich für „Medicare for All“ einsetzen, für strengere Regeln für Künstliche Intelligenz werben oder für niedrigere Unternehmenssteuern stehen – im Vergleich zu anderen Gruppen im Schnitt besser ankommt.
Gleichzeitig zeigte sich bei anderen Formen der Rückendeckung eine deutlich stärkere Abwehr. Die Unterstützung durch Trump etwa löste bei den Gegnern des Präsidenten offenbar eine härtere Reaktion aus als bei seinen Anhängern. Dadurch ergab sich insgesamt ein negativer Effekt. Ähnliches gilt für Gruppen, die weniger Regulierung für die Krypto- und KI-Branche fordern: Befragte beider Parteien waren demnach weniger bereit, einen Kandidaten zu unterstützen, wenn er oder sie mit solchen Interessen in Verbindung gebracht wurde.
Die neuen Ergebnisse machen damit die Hürden deutlich, mit denen Kandidatinnen und Kandidaten in einer stark polarisierten politischen Landschaft umgehen müssen. Eine Empfehlung oder finanzielle Unterstützung kann zwar bestimmte Teile des Elektorats erreichen und auch in Werbeschlachten Vorteile bringen, birgt aber zugleich Risiken: Sowohl etablierte als auch neu aufkommende Akteure können bei Teilen der Wählerschaft negative Reaktionen auslösen.
„Kryptowährungen landen am Ende der Skala, weil sie sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern als toxisch gelten“, sagte Seb Wride, Leiter der Umfrageforschung bei dem Londoner Partnerinstitut. „Einschränkungen beim Schwangerschaftsabbruch sind zwar ebenfalls stark spaltend, aber klar parteipolitisch. Diese Unterscheidung zeigt, warum manche Interessenverbände in ihrem eigenen parteipolitischen Raum weitgehend ungestört agieren können – während andere auf Widerstand auf beiden Seiten stoßen.“
Um die relative Bedeutung verschiedener Unterstützungsformen zu prüfen, führte das Meinungsforschungsinstitut im vergangenen Monat einen Experiment-Teil innerhalb einer Befragung durch. Die Teilnehmenden sollten jeweils zwischen zwei Kandidaten in einem Rennen um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus auswählen. In beiden Beschreibungen wurde erwähnt, dass die Personen von einer Interessenorganisation unterstützt werden. Die eine Kandidatin oder der eine Kandidat sei entweder von Trump befürwortet, von Trump abgelehnt oder allgemein durch eine Interessenvertretung gestützt.
Die Gruppen selbst wurden nicht namentlich genannt. Stattdessen erhielten die Befragten eine kurze Umschreibung der jeweiligen politischen Ausrichtung. Ein Beispiel lautete: Die eine Person sei „von Donald Trump unterstützt“, die andere „von einer Kampagnenorganisation, die einen besseren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen fordert“.
Indem den Befragten mehrere zufällige Vergleichspaare vorgelegt wurden, kamen laut Studie insgesamt Zehntausende von Ergebnissen zusammen. Anschließend modellierten die Forschenden, wie stark jede Art von Unterstützung im Verhältnis zu den anderen als vorteilhaft oder nachteilig eingeschätzt wurde – und wie sich dieser Effekt je nach parteipolitischer Neigung der Wählerschaft veränderte.
Trump selbst erwies sich dabei – erwartbar – als stärkster Faktor für jene Personen, die 2024 für ihn gestimmt hatten. Die Studie bezifferte den Effekt so: Wer Trump im Jahr 2024 unterstützt hatte, war im Durchschnitt um 22 Prozent wahrscheinlicher, einen Kandidaten zu befürworten, wenn dieser mit Trumps Rückendeckung verbunden war, verglichen mit der Unterstützung durch andere Gruppen.
Das gilt als weiteres Indiz für den Einfluss der Trump-Befürwortung in Vorwahlen. In diesem Jahr habe der Präsident seine Empfehlungen über weite Teile des Landes verteilt. Konkrete Beispiele aus dem Vorwahlgeschehen zeigen die Dynamik: Am Samstag verlor Senator Bill Cassidy (R aus Louisiana) seine Vorwahl, nachdem Trump einen seiner Herausforderer unterstützt hatte. Dabei ging es um die Kongressabgeordnete Julia Letlow. Bereits am Dienstag soll Trumps nächste Empfehlung erneut auf den Prüfstand kommen: Dann soll er Ed Gallrein gegenüber dem Abgeordneten Thomas Massie (R aus Kentucky) befürwortet haben.
Für die allgemeine Wahlperiode ergibt sich aus den Umfragedaten jedoch ein anderes Bild.
Der Grund: Trumps Unterstützung verschiebt nicht nur die Wahrnehmung auf der einen Seite. Die Auswertung beschreibt auch, dass Wählerinnen und Wähler, die 2024 Vizepräsidentin Kamala Harris gewählt hatten, wenn sie erfahren, dass Trump einen Kandidaten unterstützt, deutlich weniger geneigt sind, diese Person zu unterstützen. Konkret waren sie laut Studie 55 Prozent weniger bereit, den betreffenden Kandidaten zu wählen.
Da der Effekt bei den Harris-Anhängern deutlich stärker ausfällt als der mögliche Bonus bei Trumps Unterstützern, sei Trumps Empfehlung über alle Befragten hinweg im Ergebnis eher schädlich als hilfreich. Das ist nach Einschätzung der Studie ein Warnsignal für den Fall, dass der Präsident sich künftig stärker in die Kampagnen einschaltet, während die Republikaner in diesem Herbst versuchen, Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat zu halten.
Die Resultate der Umfrage passen zudem zu bereits vorhandenen Forschungsergebnissen, wonach Empfehlungen sowohl bei Menschen, die der Botschaft zustimmen, als auch bei jenen, die sie ablehnen, Reaktionen auslösen. Dadurch könne es mitunter passieren, dass der Gesamteffekt einer Empfehlung am Ende mehr schadet als nützt.
„Wenn die Person oder Organisation, die die Empfehlung ausspricht, weniger populär ist, dann gibt es mehr Menschen, für die das Signal bedeutet, dass sie den Kandidaten negativ neu bewerten“, sagte Andy Ballard, Professor an der Florida State University. Seine frühere Forschung habe gezeigt, dass Trumps Empfehlungen netto auch Republikanern in umkämpften Wahlkreisen im Jahr 2018 geschadet haben könnten.
Trump ist in diesem Wahljahr jedoch nicht der einzige Akteur, der Einfluss auf Kongressrennen nimmt. Auch eine Vielzahl finanzstarker Gruppen von außerhalb des Parteiapparats investiere – teils mit eigenen Empfehlungen – in zentrale Vorwahlen und umkämpfte Wahlbezirke im ganzen Land.
Die Erhebung fand zudem, dass manche Beschreibungen von Interessenvertretungen bei einem direkten Vergleich mit anderen Gruppen zu einer insgesamt positiven Reaktion führen. So habe eine Organisation, die „Medicare for All“ befürwortet, bei Harris-Wählerinnen und -Wählern stark positiv gewirkt, während der Effekt bei Trump-Anhängern nur leicht im positiven Bereich gelegen habe. Eine Gruppe, die für niedrige Unternehmenssteuern eintritt, sei bei Trump-Anhängern positiv bewertet worden und bei Harris-Anhängern in etwa gleichauf gewesen. Eine Organisation, die sich für strengere Regeln für Künstliche Intelligenz einsetzt, habe demnach bei beiden Parteien ähnlich stark unterstützt.
In anderen Fällen zeigten sich dagegen Zweifel an Gruppen auf beiden Seiten eines Themas. Beispielsweise habe eine Kampagnenorganisation, die eine kritischere Haltung gegenüber Israel fordert, bei Harris-Wählerinnen und -Wählern zwar leicht im Vorteil gelegen. Dieser Zugewinn sei jedoch durch einen negativen Effekt bei Trump-Anhängern überkompensiert worden, sodass sich netto ein schlechtes Gesamtbild ergeben habe. Umgekehrt habe eine Organisation, die für engere Beziehungen zu Israel wirbt, bei Harris-Wählerinnen und -Wählern stärker abgeschreckt als bei Trump-Anhängern motiviert – ebenfalls mit einem negativen Nettoergebnis.
Die Ergebnisse des Experiments deuten damit darauf hin, dass das Wirken mancher Gruppen unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben könnte.
In der Praxis seien externe Akteure, die Wahlentscheidungen durch Ausgaben beeinflussen, häufig daran gewöhnt, dass Teile der Wählerschaft ihnen skeptisch gegenüberstehen. Deshalb würden sie ihr Geld oft in Kandidatinnen und Kandidaten investieren, ohne die eigene Agenda ausdrücklich zu bewerben oder die Wahlkämpfe lautstark als Referendum über das jeweilige Anliegen zu framen. Pro-Krypto- und Pro-KI-Organisationen hätten etwa laut Studie seit Jahren im großen Stil Anzeigen geschaltet, die die Kandidaten unterstützten – ohne vorrangig über die eigenen politischen Ziele zu sprechen. Stattdessen würden sie stärker auf allgemeine Inhalte setzen, etwa auf biografische Informationen oder Botschaften zu Themen wie Einwanderung oder Wirtschaft.
Da viele dieser externen Gruppen als Super-PACs organisiert seien und rechtlich nicht mit Wahlkampfteams koordiniert werden dürften, könnten die Kandidaten, die von ihnen unterstützt werden, die Empfehlung offiziell oft gar nicht annehmen. So könnten sie vom Werbedruck profitieren, ohne sich eng mit der Interessenvertretung zu verknüpfen. Das könne wiederum dazu beitragen, dass es für unbeteiligte Wählerinnen und Wähler schwieriger werde, genau zu erkennen, welche Branchen und Sonderinteressen eine Kandidatur stützen – und mindere damit potenzielle politische Schäden.
Einige Kandidatinnen und Kandidaten versuchen allerdings, die geringe Popularität solcher Gruppen zu nutzen, um den eigenen Wahlkampf zu stärken. Die Umfrageergebnisse zeigen laut Studie, dass dafür durchaus Spielraum besteht.
In einzelnen Vorwahlen hätten Kandidaten versucht, Ausgaben von pro-israelischen Organisationen gegen sich selbst zu wenden. Die Erhebung sieht hier insbesondere bei Demokraten eine Chance: Wer in der Beschreibung mit einer Kampagnenorganisation verbunden war, die engere Beziehungen zu Israel befürwortet, war unter den Befragten um 22 Prozent weniger geneigt, den Kandidaten zu unterstützen – im Vergleich zu anderen Arten von Unterstützern.
Auch auf beiden Seiten des politischen Spektrums zeigten sich die Wählerinnen und Wähler demnach auffallend skeptisch gegenüber Gruppen, die sich gegen eine stärkere Regulierung von Künstlicher Intelligenz stellen. In der weitgehend offenen demokratischen Vorwahl im 12. Bezirk von New York habe der demokratische Abgeordnete Alex Bores versucht, sichtbar zu machen, dass das pro-KI-Super-PAC „Leading the Future“ gegen seine Kandidatur arbeite.
„Diese Resultate sind für die Befürworter von Kryptowährungen und für die Akteure der KI-Industrie am schwierigsten“, sagte Wride. „Dass eine geringere KI-Regulierung die Chancen eines Kandidaten ähnlich stark beeinflusst wie weniger Beschränkungen bei Waffenrechten, während gleichzeitig Opposition aus beiden Parteien kommt, zeigt, wie hart das Umfeld für Lobbyarbeit für diese Gruppen werden dürfte.“
Die vorliegende Ausgabe der Umfrage wurde vom April 11 bis April 14 durchgeführt. Befragt wurden 2.035 erwachsene Menschen in den USA online. Die Ergebnisse wurden nach Alter, Herkunft, Geschlecht, Wohnregion und Bildungsstand gewichtet. Der allgemeine Stichprobenfehler liegt laut Angaben bei ±2,2 Prozentpunkten; kleinere Teilgruppen weisen höhere Fehlerwerte auf.