Während die Ausgaben für Wahlkämpfe neue Rekorde ansteuern, wächst in den USA die Skepsis, wie stark Geld den politischen Wettbewerb tatsächlich bestimmt. Die Sorge zieht sich quer durch alle Parteien und wird durch Prognosen für die kommenden Zwischenwahlen weiter angeheizt.
Rekordausgaben und wachsende Zweifel an der Fairness
Viele Menschen in den Vereinigten Staaten sind der Ansicht, dass finanzielle Mittel das politische System stärker prägen, als es sollte. In einer aktuellen Umfrage zeigt sich, dass diese Einschätzung nicht nur ein Randthema ist: Sie geht über Parteigrenzen hinweg und trifft auf breite Zustimmung, während für die Zwischenwahlen erneut sehr hohe Ausgaben erwartet werden.
Die Ergebnisse der POLITICO-Umfrage sind deutlich: 72 Prozent der Befragten sagen, es gebe zu viel Geld in der Politik, lediglich 5 Prozent widersprechen dieser Sicht. Zusätzlich äußern sich große Mehrheiten parteiübergreifend dazu, dass Milliardäre in der US-Politik einen überproportionalen Einfluss besitzen. Auch die Meinung, dass Ausgaben von Interessengruppen als eine Form von Korruption gelten und stärker begrenzt werden sollten, statt als freie Meinungsäußerung geschützt zu werden, findet breite Unterstützung. Zugleich sagt fast die Hälfte der Befragten, Wählerinnen und Wähler hätten zu wenig Macht.
Außenfinanzierung nimmt weiter zu – Millionen für umkämpfte Vorwahlen
Dass die Rolle von Geld nicht nachlässt, zeigt sich auch daran, dass neue Organisationen verstärkt in den politischen Raum drängen. Besonders schnell entstehen und agieren Gruppen, die mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, Kryptowährungen oder anderen aufstrebenden Branchen in Verbindung stehen. Sie investieren demnach rasch mehrere Millionen Euro bzw. Dollar in umkämpfte Vorwahlen, um mitzubestimmen, welche Personen später ins Washingtoner politische Geschäft einziehen.
Für die kommenden Zwischenwahlen zeichnen sich erneut Spitzenwerte ab: Jede der letzten drei Zwischenwahlrunden habe bereits neue Ausgaberekorde gesetzt. Außerdem erwartet eine Werbe-Tracking-Firma, dass die Anzeigeninvestitionen erneut ein neues Hoch erreichen werden – insgesamt in Höhe von 10,8 Milliarden US-Dollar.
Michael Beckel, Leiter der Reforminitiative „Money in Politics“ bei Issue One, einem gemeinnützigen Interessenverband, warnte vor den Folgen besonders hoher Ausgaben: „Diese Art astronomischer Ausgaben untergräbt das Vertrauen vieler Menschen in das System der Regierungsführung. Ich habe das Gefühl, dass viele nach Veränderungen suchen, um einen Teil dieses ausufernden Ausgabenvolumens einzudämmen.“
Was die Befragten über Einfluss, Wählerrolle und Einflussquellen sagen
Die Umfrage deutet darauf hin, dass viele Amerikaner den Ursprung politischer Einflussnahme als Problem sehen – und zwar vor allem als Belastung für die Wählerschaft. Damit richten sich die Sorgen nicht nur auf Fragen von Gerechtigkeit, sondern auch auf die demokratische Stabilität selbst.
Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen den Lagern. Demnach zeigen sich Demokraten tendenziell besonders kritisch gegenüber der Rolle von Geld. Nichtwählerinnen und Nichtwähler antworten bei solchen Fragen häufiger mit „Ich weiß es nicht“. Dadurch sinkt der Gesamtanteil jener, die in der Umfrage ausdrücklich eine kritische Haltung einnehmen, verglichen mit Wählerinnen und Wählern, die Harris oder Trump unterstützen.
Ein Überblick über die Positionen der Befragten beginnt mit einem Bild weitgehender Einigkeit:
- Die Mehrheit ist überzeugt, dass in der Politik insgesamt zu viel Geld vorhanden ist. Parteigrenzen übergreifend stimmen fast drei von vier Befragten dem Satz zu, „es gibt zu viel Geld in der amerikanischen Politik“, während die übrigen entweder nicht eindeutig Stellung beziehen oder keine klare Position einnehmen.
- Viele betrachten Geld als machtvoll. Eine Mehrheit geht davon aus, dass finanzielle Mittel Wahlergebnisse beeinflussen können: 39 Prozent meinen, Geld könne Resultate regelrecht kaufen, weitere 34 Prozent sagen, es könne zwar Einfluss nehmen, aber keine Ergebnisse direkt erkaufen.
- Ein Teil der Wahrnehmung passt zu dem, was in laufenden Kampagnen bereits beobachtet wird: Reiche Geldgeber und externe Organisationen investieren Millionen in umkämpfte Rennen. Dabei kommen häufig Konstrukte zum Einsatz, die unbegrenzte Beiträge annehmen können und Stimmen aus einer kleinen Gruppe verstärken.
Parteipolitische Akzente: Wie weit reicht der Einfluss?
Bei der Frage, wie stark Geld tatsächlich wirken kann, zeigt sich jedoch eine klare Trennung: Anhänger von Trump neigen eher dazu, zu sagen, Geld könne die Entscheidung beeinflussen, ohne die Ergebnisse zu „kaufen“. Wählerinnen und Wähler, die Harris unterstützen, bewerten die Möglichkeit, dass Ergebnisse gekauft werden, deutlich stärker.
Auch bei der Frage nach der Verteilung des Einflusses auf verschiedene Gruppen ergibt sich ein ähnliches Muster: Etwa die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, Wählerinnen und Wähler hätten zu wenig Einfluss. Dieser Anteil liegt deutlich über den Gruppen, die meinen, Wähler hätten zu viel Macht oder genau die richtige Menge.
Bei der Bewertung von Einflussquellen zeigt sich zudem ein breites Misstrauen gegenüber Eliten und Institutionen: Sechs von zehn Befragten sagen, Milliardäre hätten zu viel Einfluss auf die US-Politik. Diese Einschätzung ist unter Demokraten besonders verbreitet: 75 Prozent der Harris-Wählerinnen und -Wähler stimmen dem zu, während es bei Trump-Wählerinnen und -Wählern 55 Prozent sind. Darüber hinaus sehen viele Befragte auch politische Parteien, Interessengruppen und ausländische Regierungen als zu einflussreich. Die wahrgenommenen „zu großen“ Anteile dieser Gruppen übersteigen dabei deutlich die Zahl der Menschen, die ihnen zu wenig Einfluss zuschreiben.
Sonderinteressen: Geld wird mehrheitlich als problematisch und korrumpierend bewertet
Besonders ausgeprägt ist die Kritik an Ausgaben, die von Interessengruppen ausgehen. Zwei Drittel der Befragten sagen, es fließe zu viel davon in die Politik. Eine Mehrheit (53 Prozent) bewertet dieses Geld als korrupt und fordert strengere Regeln, statt auf das konservative Rechtsprinzip zu verweisen, dass es sich dabei um freie Meinungsäußerung handele und deshalb geschützt werden müsse. Auch unter Trump-Anhängern gibt es dafür Unterstützung: 56 Prozent teilen diese Einschätzung.
Einfluss auf Kampagnenpraxis und die Sicht auf den Wahlausgang
Die Umfrage macht außerdem deutlich, wie die Menschen die Rolle von Geld in der Wahlkampfrealität einordnen. Finanzielle Mittel spielen demnach nicht nur bei der Frage eine große Rolle, welche Kandidatin oder welcher Kandidat Werbung schalten kann, um die eigene Botschaft vor Wählerinnen und Wähler zu bringen. Sie beeinflussen auch die Möglichkeit, Kampagnenveranstaltungen abzuhalten, Personal einzustellen und sogar darüber mitzuentscheiden, wer überhaupt erst zur Wahl antritt.
Viele Befragte zeigen zudem eine grundsätzlich skeptische Haltung gegenüber der Art, wie Wahlen zustande kommen. Eine Pluralität ist der Meinung, dass die Person oder der Kandidat mit den meisten finanziellen Mitteln gewinnt – nicht diejenige mit den überzeugendsten politischen Positionen.
Diese Einschätzung ist unter Demokraten besonders stark ausgeprägt: Mehr als die Hälfte der Harris-Wählerinnen und -Wähler aus dem Jahr 2024 sagt, Geld entscheide über den Ausgang. Bei Trump-Wählerinnen und -Wählern liegt dieser Anteil bei etwas über einem Drittel.
Umfang der Erhebung und methodische Angaben
Die vorliegende Ausgabe der Umfrage wurde von Public First durchgeführt, und zwar im Zeitraum vom 11. bis 14. April. Befragt wurden 2.035 erwachsene Personen in den USA online. Die Ergebnisse wurden nach Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Wohnregion und Bildungsniveau gewichtet. Die gesamte statistische Schwankungsbreite liegt bei ±2,2 Prozentpunkten; für kleinere Teilgruppen fällt sie entsprechend höher aus.
Die Studie ist Teil eines laufenden Projekts, das die öffentliche Meinung in vielen Politikfeldern erfassen soll. Neue Erhebungen und Analysen sollen jeden Monat veröffentlicht werden.
Für Fragen, Anmerkungen oder Ideen zu künftigen Umfragen kann Kontakt aufgenommen werden.