Trump unterstützt Ken Paxton: Republikaner fürchten teuren Mandatsverlust

Die kurzfristige Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, den texanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton im Rennen um einen Sitz im US-Senat zu unterstützen, hat in Teilen der Republikaner Alarm ausgelöst. Viele fürchten, dass der Partei der Erhalt des Mandats nun deutlich teurer wird – und möglicherweise sogar scheitern könnte. Parallel wächst bei Demokraten die Hoffnung, erstmals seit 1988 wieder einen Sieg in Texas erringen zu können.

Trump setzt auf Paxton – Kritik und Sorge bei Republikanern

Trump hatte Ken Paxton in der Vorwahl zur texanischen Senatswahl unterstützt und damit Senatsmitglied John Cornyn übergangen. Die Entscheidung kam aus Sicht vieler GOP-Anhänger besonders überraschend, nachdem Kongressspitzen der Partei seit Monaten darauf gedrängt hatten, Trump solle einen bereits bewährten Kandidaten aus Texas ins Rennen schicken.

Mit Trumps Rückendeckung gilt Paxton als gut positioniert, um in der Vorwahl-Entscheidung eine Woche später als Sieger hervorzugehen und anschließend im Wahlkampf gegen den demokratischen Kandidaten James Talarico anzutreten. Für die Demokraten ist dieses mögliche Duell seit Monaten ein Wunschszenario.

  • Für viele Republikaner erhöht Trumps Intervention den Aufwand, um den Senatssitz zu halten.
  • Gleichzeitig sehen Kritiker die Gefahr, dass der Partei der Versuch am Ende nicht gelingt.
  • Trump hatte Paxtons Loyalität als entscheidenden Faktor hervorgehoben – Paxton hatte ihn in wichtigen politischen Momenten begleitet.

Reaktionen aus dem politischen Umfeld: „In Gefahr“ und Vorwürfe

Auf dem Kapitol stieß Trumps Entscheidung bei Republikanern auf sichtbare Enttäuschung. Die US-Senatorin Lisa Murkowski (R-Alaska) sagte, sie sei „suprem enttäuscht“ und verwies darauf, dass der Sitz dadurch „in Gefahr“ gerate. In einer zugespitzten Nachfrage fragte sie, wie die Wahl Paxtons die Position des Präsidenten stärken könne – und ob man „einen Staat wie Texas“ verliere.

Auch weitere republikanische Stimmen stellten Paxtons Eignung infrage. Susan Collins (R-Maine) bezeichnete Paxton als „ethisch belastete Person“ und fügte hinzu, Cornyn habe die Unterstützung des Präsidenten verdient. Collins nannte dabei mehrere persönliche und politische Probleme, die Paxton begleiteten, darunter eine bundesweite Untersuchung wegen Wertpapierbetrugs sowie eine laufende Scheidung.

Senatsmehrheitsführer John Thune, der über Monate hinweg versucht hatte, Trump für Cornyn zu gewinnen, zeigte sich unmittelbar nach der Bekanntgabe zurückhaltend. Er erklärte lediglich, es sei „seine Entscheidung“. Später bekräftigte Thune, er werde weiterhin Cornyn „unterstützen“ und dessen Wiederwahl „begleiten“.

Demokraten sehen Chancen – Kampagnenbereitschaft und Argumente

Während republikanische Politiker und Berater vor möglichen Kosten und einem schwierigen Wahlkampf warnten, reagierten demokratische Akteure schnell. Sie machten öffentlich, dass sie erstmals seit Jahrzehnten realistisch damit rechnen könnten, in Texas einen Senatssitz zu gewinnen.

Chuck Schumer, Vorsitzender der demokratischen Fraktion im Senat, sagte am Dienstag auf dem Kapitol, er glaube, „wir werden Texas gewinnen“. Um dieses Ziel zu erreichen, signalisierte die Partei zugleich Bereitschaft, in den teuren Medienmärkten des Bundesstaats stark zu investieren.

Lauren French, Sprecherin des demokratisch ausgerichteten Senate Majority PAC, erklärte per Textnachricht, man bleibe „optimistisch“ für Texas und es gebe „jede Wahrscheinlichkeit“, dort „eine Wirkung zu erzielen“. Zwar sei das entsprechende Super-PAC vor dem tatsächlichen Buchen von Werbezeiten weiterhin zurückhaltend, doch die Erklärung galt als deutlichster Hinweis bislang, dass die Partei bereit ist, in einem Bundesstaat Geld einzusetzen, der der Organisation lange Zeit nicht zugänglich war.

  • Schumer erklärte, Texas sei für die Demokraten erreichbar.
  • French signalisierte hohe Wahrscheinlichkeit für spürbare Wirkung der Kampagne.
  • Demokratische Abgeordnete drängten auf Ausgaben im Rennen.

Parteipolitische Einschätzungen: Investition, Gegenwind und Themenlage

Mehrere demokratische Politiker begründeten ihre Zuversicht mit möglichen Rahmenbedingungen. Ro Khanna (D-Kalifornien) argumentierte, Paxtons Nominierung würde für die Demokraten eine „perfekte Sturmfront“ schaffen. Er verwies dabei auf die relativ breite Anziehungskraft von Talarico und auf politische Gegenwinde für Republikaner – unter anderem hohe Benzinpreise sowie Trumps geringe Beliebtheit.

Khanna sagte außerdem, es lohne sich, die Investition zu tätigen. Ruben Gallego (D-Arizona) betonte, man müsse „überall spielen“ und den Ball „weit werfen“, vor allem weil es in der Zukunft nur wenige Chancen gebe, zusätzliche umkämpfte Sitze zu gewinnen.

Chris Murphy (D-Connecticut) verwies auf die mögliche Wirkung der Energiepreise: Er sagte, in Texas könnten im Herbst Benzinpreise bei „9 Dollar pro Gallone“ liegen. In diesem Fall, so Murphy, würde selbst eine sehr beliebte religiöse Figur wohl Schwierigkeiten haben, als Republikaner zu gewinnen, falls der Konflikt mit dem Iran noch weitere sechs Monate andauere.

Talarico erklärte in einer eigenen Stellungnahme, „es spielt keine Rolle, wer diesen Vorwahlkampf gewinnt“. Er machte sowohl Cornyn als auch Paxton dafür verantwortlich, wohlhabende Geldgeber zu bereichern, während die Kosten für den Rest der Bevölkerung „in die Höhe schießen“.

Warum Trump sich für Paxton entschied – Loyalität, Wahlkampf und Folgen

Trumps Entscheidung fiel letztlich zugunsten Paxtons aus, weil Paxton nach Darstellung des Umfelds als besonders loyal galt: Paxton habe bei zentralen Momenten in Trumps politischer Laufbahn an dessen Seite gestanden. Als Generalstaatsanwalt von Texas hatte Paxton Trumps Vorhaben unterstützt, das Wahlergebnis von 2020 rückgängig zu machen. Zudem gehörte er zu den ersten Republikanern, die Trumps zweite Wiederwahl erneut befürworteten.

In einem Beitrag auf der Plattform Truth Social beschrieb Trump Paxton als „jemanden, der mir gegenüber sehr loyal gewesen ist“. Paxton selbst erklärte, er sei „außerordentlich geehrt“, die Unterstützung erhalten zu haben.

Cornyn reagierte darauf mit der Aufforderung, dass die texanischen GOP-Wähler nun entscheiden müssten, ob sie einen „starken Kandidaten“ wollten, um die eigenen Bewerber in weiteren Wahlkreisen zu stärken und Talarico im November zu besiegen – oder stattdessen einen „schwachen Kandidaten“, der aus Sicht Cornyn „alles gefährdet, was uns wichtig ist“.

Finanzierung, Umfragen und Debatten über die Erfolgschancen

Trumps Wahl löste auch in seinem weiteren politischen Umfeld Empörung aus. Ein leitender operativer Akteur im republikanischen Senatslager, der anonym bleiben wollte, zeigte sich verärgert über das Weiße Haus. Er sagte, man sei „in gewisser Weise ruiniert“, weil der Partei nun Geld ausgeben müsse, um den Sitz zu halten. Nach seiner Einschätzung könnte es der Partei bis zu 100 Millionen Dollar zusätzlich kosten, um die Kontrolle aufrechtzuerhalten.

Bis dahin hatten Umfragen den Ausgang des Vorwahlkampfs im Bereich der statistischen Schwankung dargestellt. Dennoch glauben viele texanische Republikaner, dass Trumps Unterstützung ausreichen werde, um Paxton über die Ziellinie zu bringen. Paxton habe sich zudem trotz massiver Ausgaben nationaler Republikaner zugunsten Cornyns behaupten können.

Eine Umfrage, die von der demokratisch ausgerichteten Organisation für Waffensicherheit Giffords in der frühen Phase des Monats Mai in Auftrag gegeben wurde und vor der Entscheidung Trumps durchgeführt sowie zuerst bekannt gemacht worden sein soll, zeigte Paxton mit einem Vorsprung in zweistelliger Größenordnung: 52 Prozent für Paxton gegenüber 40 Prozent für Cornyn.

Unter Cornyn-Unterstützern hieß es allerdings, Trumps Zustimmung sei zu spät erfolgt, um den Verlauf noch wesentlich zu verändern. Sie verwiesen insbesondere auf Vorteile Cornyns bei der Finanzierung und auf eine starke Wahlmobilisierung. Ein langjähriger texanischer Republikaner, der Cornyn nahesteht und anonym blieb, sagte, die Unterstützung hätte zwei Wochen früher einen Unterschied gemacht. Cornyn habe die „ausgefeilteren“ Strukturen, um Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Paxton habe zwar eine verlässliche Basis, sei aber an eine Grenze gestoßen.

Gleichzeitig räumten einige Republikaner ein, dass die Nominierung Paxtons den Demokraten einen Vorteil verschaffen könnte. Demokraten wollten seit Monaten gezielt gegen einen Generalstaatsanwalt antreten, der seit Jahren mit Kontroversen verbunden ist. Vinny Minchillo, ein republikanischer Berater aus Texas, sagte dazu, die Demokraten hätten nun „eine bessere Chance“, genau die Begegnung zu bekommen, die sie wollten. Er fügte jedoch hinzu, er glaube, die Partei halte den Sitz am Ende dennoch.

Regionale Risiken für Republikaner: Einwanderung und Vertrauen

In Teilen Südtexas, wo wirtschaftliche Stagnation und eine strenge Durchsetzung der Einwanderung vielen lateinamerikanischen Wählerinnen und Wählern den Unmut über Trump verstärkt habe, könnte Paxtons Ruf als harter Verfechter in Einwanderungsfragen zum Problem werden. Mario Guerrero, ein dreimaliger Trump-Wähler und Vorsitzender der South Texas Builders Association, sagte, „niemand“ vertraue Paxton dort. Er habe zudem „nichts Positives“ über Paxton gehört.

Falls Paxton die Nominierung tatsächlich erreicht, müssten jene Republikaner, die den Generalstaatsanwalt zuvor im Hinblick auf seine moralische Eignung für den Senat kritisiert hatten, ihre Haltung drehen und Paxton als richtige Wahl für Texas verteidigen. Gleichzeitig treffe er auf Talarico, der als finanzstarker Herausforderer und als aufstrebende Figur innerhalb der Demokratischen Partei beschrieben wird.

Ausgaben, Super-PACs und das Geldrennen bis zum November

Senate Leadership Fund, das wichtigste republikanisch ausgerichtete Super-PAC, hatte schon länger erklärt, dass ein Sieg Paxtons in der Vorwahl im November sehr hohe Summen kosten könnte. One Nation, eine dem Senate Leadership Fund nahestehende gemeinnützige Organisation, habe bereits mehr als 10 Millionen Dollar in Werbung gesteckt, um den amtierenden Kandidaten zu stützen – mit dem Ziel, später eine viel teurere Rettungsmission zu verhindern. Ähnliche Überlegungen werden dem National Republican Senatorial Committee zugeschrieben, das so weit gegangen sei, Cornyn als den „einzigen Republikaner“ zu bezeichnen, der in diesem Herbst einen demokratischen Kandidaten schlagen könne.

Öffentliche Umfragen hätten Talarico sowohl gegen Cornyn als auch gegen Paxton als konkurrenzfähig gezeigt. In einem Memo zur frühen Februar-Umfrage soll das National Republican Senatorial Committee festgestellt haben, dass Talarico Cornyn um 3 Punkte vorausliege, während Paxton gegenüber dem Demokraten um 3 Punkte zurückläge.

Diese Gruppen müssten demnach versuchen, den großen finanziellen Vorsprung Talaricos gegenüber Paxton auszugleichen. Talarico habe bislang mehr als 40 Millionen Dollar eingeworben und verfüge nach Angaben aus seiner jüngsten Einreichung bei der Federal Election Commission über knapp 10 Millionen Dollar auf der Bank. Paxton habe weniger Mittel als Talarico zur Verfügung: Er habe im laufenden Zyklus 7,8 Millionen Dollar gesammelt, davon seien 2,3 Millionen Dollar verfügbar, wie aus seiner letzten Meldung hervorgehe.

Das Super-PAC von Trump sitze dem Bericht zufolge auf mehr als 300 Millionen Dollar und könnte im Notfall zur Unterstützung einspringen. Bisher sei jedoch wenig darüber bekannt, wie oder ob „MAGA Inc.“ sein Kapital in den Zwischenwahlen einsetzen werde.

Zum Bericht beigetragen haben Dasha Burns, Samuel Benson und Calen Razor.