Die Bundesregierung will sich beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS im Zuge des geplanten Börsengangs zunächst mit 40 Prozent beteiligen. Nach Angaben aus Regierungskreisen ist zugleich vorgesehen, den staatlichen Anteil innerhalb von zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent zurückzuführen.
40-Prozent-Beteiligung: Bundesregierung steigt bei KNDS ein
Nach langem Ringen ist offenbar eine Einigung über den Einstieg des Staates beim Panzerbauer KNDS erzielt worden. Der Verwaltungsratschef des Unternehmens bestätigte den Schritt im Zusammenhang mit dem Börsengang. KNDS gilt als Hersteller des Kampfpanzer-Modells Leopard 2.
Wie aus Regierungskreisen verlautete, will die Bundesregierung zunächst 40 Prozent übernehmen. Gleichzeitig soll die Beteiligung „in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren“ auf 30 Prozent reduziert werden. Damit verbindet der Bund die Beteiligung an dem Rüstungskonzern mit dem Ziel, den Umfang der staatlichen Kontrolle mittelfristig zu verringern.
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KNDS: Konzernstruktur und geplantes Börsendebüt
KNDS stellt unter anderem Waffensysteme wie den Kampfpanzer Leopard 2 sowie die Panzerhaubitze 2000 her. Das Unternehmen ist aus der Fusion zwischen Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Rüstungskonzern Nexter hervorgegangen. Aktuell befindet sich KNDS im Besitz der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann sowie der französischen Regierung.
Medienberichten zufolge wird der Wert des Unternehmens auf 20 Milliarden Euro geschätzt. KNDS plant, in absehbarer Zeit an die Börse zu gehen.
Im politischen Kontext wird dabei auf den wachsenden Bedarf an Verteidigung verwiesen, etwa wegen geopolitischer Krisen und der Ausrichtung auf Ziele der Nato. In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, wie stark die deutsche Wirtschaft und die Rüstungsbranche von höheren Ausgaben profitieren können.
Verwaltungsratschef begrüßt Einigung
Der Verwaltungsratschef von KNDS, Thomas Enders, hat die Pläne der Bundesregierung für den Einstieg im Zuge des Börsengangs bestätigt. Er erklärte am Mittwochabend, es sei „zunächst einmal zu begrüßen“, dass die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen habe.
Enders sagte zudem, KNDS werde nach dem Börsengang zu 80 Prozent im staatlichen Besitz sein. Ziel müsse es sein, die staatlichen Anteile „über Zeit deutlich abzuschmelzen“, erklärte der ehemalige Airbus-Manager. Nationale Sicherheitsinteressen sollten dabei vor allem durch Aufträge und konkrete Sicherheitsvereinbarungen abgesichert werden.
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Parallel hat die Bundesregierung die Eckpunkte für den Haushalt 2027 beschlossen. Als Grund für die geplante Neuverschuldung gelten höhere Ausgaben für den Verteidigungsbereich. Diese würden nicht unter die Schuldenbremse fallen.
Gleiche Rechte für Deutschland und Frankreich
Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, der französische Staat solle seinen Anteil nach Möglichkeit ebenfalls senken, der derzeit bei 50 Prozent liegt. Unabhängig von einer möglichen Reduzierung soll außerdem gewährleistet werden, dass Deutschland und Frankreich bei Fragen wie Standortentscheidungen über vergleichbare Rechte verfügen.
Der Kaufpreis soll dem sogenannten IPO-Preis entsprechen. Dabei handelt es sich um den Kurs, zu dem Aktien beim ersten Börsengang an Privatanleger und institutionelle Investoren ausgegeben werden. „Es wird kein Paketaufschlag gezahlt“, hieß es dazu. Innerhalb der Bundesregierung soll das Wirtschaftsministerium die Zuständigkeit für die Beteiligung übernehmen; dafür ist Katherina Reiche vorgesehen.
Weltweit geben Staaten nach Angaben des Friedensforschungsinstituts SIPRI im Jahr 2025 so viel Geld für Rüstung aus wie noch nie. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben demnach auf 2,89 Billionen US-Dollar.
Pistorius: Staatliche Beteiligung als Strategie
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bereits im Juli des vergangenen Jahres erstmals einen Einstieg des Staates bei KNDS in die Debatte gebracht. Er verfolgt demnach grundsätzlich das Ziel, die staatliche Beteiligung an der deutschen Rüstungsindustrie zu stärken.
Im Oktober hatte Pistorius gegenüber dem „Handelsblatt“ gesagt: „Wir brauchen die Staatsbeteiligungen, davon bin ich fest überzeugt – auch, um sicherzustellen, dass Know-how und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben.“
Weiter führte er aus: „Alle Kabinettskollegen sind sich darüber bewusst, wie essenziell unsere Schlüsseltechnologien für die Sicherheit unseres Landes sind. Daher schauen wir uns gerade den Panzerbauer KNDS und den Schiffbauer TKMS an.“
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