In Berlin startet heute die dreitägige Digitalkonferenz re:publica. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz Macht bündelt – und was die Gesellschaft dem entgegensetzen kann.
Die Veranstaltung läuft unter dem Slogan „Never gonna give you up“. Thematisch geht es um Vertrauen in eine digitale Zukunft sowie um Europas Anspruch auf Souveränität und darum, sich unabhängiger von großen Technologiekonzernen zu machen.
Als Motto dient dabei ein Meme, das bereits seit Jahren im Internet kursiert. Der scheinbar harmlose Scherz verweist auf ein „Nicht-Aufgeben“ und „Durchhalten“ – und der Unterton sei nach Einschätzung vieler inzwischen deutlich ernster geworden als noch in den frühen Jahren der Konferenz.
Die re:publica 2026 widmet sich in Berlin außerdem dem Zustand der Demokratie und der Machtverteilung im digitalen Raum. Die Konzentration auf wenige Akteure werde immer sichtbarer, heißt es von Seiten eines Mitbegründers der Konferenz.
Quick facts
- Start heute in Berlin: dreitägige Digitalkonferenz re:publica
- Motto: „Never gonna give you up“
- Schwerpunkte: Vertrauen in digitale Zukunft sowie Europas digitale Souveränität
- Leitfrage: Wie sich Macht im digitalen Raum – besonders im KI-Zeitalter – konzentriert
- Politischer Kontext: Diskussionen über Regulierung und mögliche De-Regulierung
Für die Veranstalter steht „Never gonna give you up“ in diesem Jahr vor allem für Vertrauen in die digitale Zukunft. Konkret gehe es um digitale Souveränität in Europa – also um weniger Abhängigkeit von Tech-Giganten.
Wenige Player dominieren den KI-Markt
Die Warnung lautet: Menschen und Institutionen machten sich zunehmend von einzelnen Unternehmen und Personen abhängig. Diese Entwicklung gebe es zwar schon seit Jahrzehnten in der digitalen Welt, doch auf dem KI-Markt wachse die Monopolgefahr derzeit besonders stark.
Wenige Firmen bestimmten den Markt für Künstliche Intelligenz, und diese Anbieter hätten einen spürbaren Vorsprung. Dadurch könne sich ein Machtgefälle weiter verstärken.
Mit Blick auf die zunehmende Nutzung von KI im Alltag – insbesondere durch jüngere Generationen – stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies auf das Zusammenleben hat. Im Raum steht dabei vor allem die Sorge vor strukturellen Abhängigkeiten.
Ein Schlüssel liegt laut den Kritikern in der Kombination aus finanziellen Möglichkeiten für Rechenleistung und dem Zugriff auf umfangreiche Datensammlungen. Wer beides bündeln kann, könne Vorteile ausbauen und daraus wiederum weiteren Einfluss gewinnen.
Deutschland wird dabei als „überhaupt nicht digital souverän“ bezeichnet. In dem Zusammenhang wird auch auf ein Interview verwiesen, das diese Einschätzung näher erläutert.
Zuletzt hatten unter anderem die US-Konzerne Amazon und Anthropic eine „strategische Partnerschaft“ angekündigt – mit einem Gesamtvolumen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar an Einkäufen und Investitionen. Solche Großdeals gelten als Indikator dafür, wie schnell sich Ressourcen in der Branche weiter konzentrieren.
In den USA sei zudem der Ausbau großer Datenzentren ein Milliardenmarkt, der von der Trump-Regierung gefördert werde. Gleichzeitig wird auf mögliche Umweltfolgen verwiesen: Der Wasserverbrauch von Rechenzentren könnte Dürren verschärfen, etwa im US-Bundesstaat Wyoming.
Politik steuert in Richtung De-Regulierung
Strukturen seien laut dem Mitbegründer nicht „naturgegeben“. Entscheidend sei vielmehr, ob die Gesellschaft darüber führt, wie Macht begrenzt werden kann – und wie bestehende Regeln konsequenter durchgesetzt werden.
In der politischen Debatte zur Künstlichen Intelligenz zeichnet sich jedoch eine andere Richtung ab. Auf Ebene der Europäischen Union wird nach Angaben aus dem Umfeld der Konferenz an einer Überarbeitung der erst kürzlich in Kraft getretenen KI-Regelung gearbeitet.
Geplant sei, strenge Vorgaben für Tech-Unternehmen beim Einsatz und bei der Entwicklung von KI-Systemen wieder zu lockern. Ziel sei es, mehr Spielraum für Innovation zu schaffen und Bürokratie abzubauen – mit anderen Worten: De-Regulierung.
Diese Linie werde von der deutschen Bundesregierung ausdrücklich unterstützt, heißt es. Besonders genannt wird dabei Digitalminister Karsten Wildberger (CDU).
Wer in diesem Jahr bei der re:publica dabei ist: Angela Merkel
Die ehemalige Bundeskanzlerin tritt als Gast auf der Konferenz auf – beim WDR Europaforum. Dort ist sie zum Thema „Trotz allem: Hoffnung Europa?“ eingeplant.
Beckedahl: re:publica soll Mut machen
Auch der Mitbegründer der re:publica will sich in diesem Jahr wieder an Podiumsdiskussionen beteiligen. An solchen Gesprächen sollen wie in den Vorjahren zahlreiche Akteure aus Politik und Zivilgesellschaft teilnehmen.
Beckedahl hofft, dass die Digitalkonferenz ein Ort für Hoffnung bleibt und Mut auslöst. Gerade weil die Themen inzwischen ernster geworden seien als noch in den Zeiten von Rick-Astley-Memes, brauche es nach dieser Sicht eine klare Debatte – auch zur Frage, wie man im digitalen Raum von morgen Wahlfreiheit statt Monopole organisiert.
Jan Henrich berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
Unser Nachrichtenangebot – jetzt als bevorzugte Quelle bei Google
Wer bei Google sucht, erhält neben den Ergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle sollen Inhalte häufiger in dieser Schlagzeilen-Übersicht erscheinen – als geprüfte Beiträge, die direkt im Überblick verfügbar sind.