Pelosi macht bei San-Francisco-Wahl Druck: Connie Chan erhält ihr Votum

Die frühere US-Politikchefin Nancy Pelosi unterstützt im Rennen um den freien Sitz im US-Repräsentantenhaus in San Francisco ihre Wunschkandidatin: die Stadtbezirksvorsitzende Connie Chan. Mit einer späten, klaren Empfehlung setzt Pelosi ein politisches Signal kurz vor der entscheidenden Vorwahl am 2. Juni.

Key takeaways

  • Nancy Pelosi hat Connie Chan offiziell für die Nachfolge als Kongressabgeordnete in San Francisco ins Rennen geschickt.
  • In einem Brief an die Bevölkerung begründet Pelosi die Unterstützung mit der Notwendigkeit, „grundlegende Freiheiten“ und demokratische Werte offensiv zu verteidigen.
  • Aktuelle Umfragen sehen Chan im Wettbewerb um den zweiten Platz hinter dem Favoriten Scott Wiener.
  • Chakrabarti, der als Gegenkandidat gilt, steht trotz hohen eigenen Mitteleinsatzes zuletzt unter Druck durch kritische Kampagnen und ausbleibende Unterstützung von prominenter Seite.
  • Pelosi hatte Chan bereits zuvor viel Aufmerksamkeit gegeben, sich aber lange gegen eine formelle Empfehlung gesträubt.

Pelosi wirbt mit Brief und deutlicher Kampfansage

San Francisco — Nancy Pelosi hat die Bezirksvorsitzende Connie Chan als Nachfolgerin für den von ihr bislang gehaltenen Sitz im US-Repräsentantenhaus empfohlen. Chan gilt als progressiv und verfügt über enge Verbindungen zu Gewerkschaften. Pelosi äußerte sich in einem Schreiben an die Einwohnerinnen und Einwohner am Montag.

Pelosi erklärte, Chan sei „die am besten vorbereitete Führungskraft“, um den Einsatz für San Francisco im Kongress fortzuführen. Sie verwies dabei darauf, dass zentrale Grundrechte und demokratische Werte derzeit unter Druck stünden. Deshalb brauche es im Kongress eine Person, die bereit sei, zu kämpfen — entschlossen und zugleich wirksam.

Die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses hatte sich zuvor gegen eine solche Empfehlung gesperrt. Nun sagte sie, sie habe in den vergangenen sechs Monaten die Kampagne eng verfolgt. Dabei habe sich gezeigt: Chan stehe „über dem übrigen Feld“.

Vorwahl am 2. Juni: Wettbewerb um den zweiten Platz

Die späte Unterstützung fällt in eine Phase, in der mehrere aktuelle Umfragen Chan faktisch auf Rang zwei sehen, wodurch sie sich für die Vorentscheidung nach dem Top-Two-Prinzip am 2. Juni qualifizieren könnte. In diesem Szenario würde Chan gegen Saikat Chakrabarti antreten — während Scott Wiener als Spitzenkandidat gilt.

Chakrabarti, ein wohlhabender ehemaliger Technikingenieur, habe wiederholt Angriffe gegen Pelosi namentlich gerichtet. Das geschah unter anderem auch in einem Moment, als er kurzzeitig als Stabschef für die New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez tätig gewesen sei.

Gleichzeitig sieht sich Chakrabartis Kampagne in den vergangenen Wochen mit mehreren Problemen konfrontiert. Trotz der Investition von mehr als sechs Millionen US-Dollar aus eigenen Mitteln, die er in den Wahlkampf steckte, und trotz einer intensiven Werbekampagne mit Fernsehspots sowie zahlreichen bezahlten Wahlhelfern, blieb die Lage angespannt: Zunächst griffen ihn negative Anzeigen an, die seine Herkunft aus San Francisco infrage stellten. Bezahlt wurden diese Schaltungen von einem techniknahen Super-PAC, das Wiener unterstützt.

Hinzu kam, dass Ocasio-Cortez Chakrabarti wiederholt nicht unterstützte. Damit fehlte dem Kandidaten Unterstützung aus dem eigenen politischen Umfeld, während die Konkurrenz weiter Druck aufbaute.

Wiener, ein einflussreicher Abgeordneter des Bundesstaats und für San-Francisco-Verhältnisse eher als gemäßigt geltender Demokrat, gilt als Kandidat, der in der Vorwahl voraussichtlich den ersten Platz belegt. Danach dürfte er im November gegen Chan oder Chakrabarti in einem zweiten Schritt antreten. Wiener bemühe sich, Pelosi öffentlich zu würdigen, auch wenn er über Jahre hinweg im Hintergrund an einer Nachfolge gearbeitet habe. Viele Menschen aus Pelosis Umfeld seien dennoch enttäuscht gewesen, weil Wiener seine Kandidatur bereits wenige Wochen gestartet habe, bevor Pelosi im vergangenen Herbst offiziell ihren Rückzug angekündigt habe.

Pelosis Einfluss in einem engen Rennen

Pelosi hatte San Francisco, das aus einem einzigen Wahlkreis im US-Repräsentantenhaus besteht, seit ihrem Sieg bei einer Sonderwahl im Jahr 1987 im Kongress vertreten. Sie zählt nach wie vor zu den beliebtesten gewählten Amtsträgern der Stadt. Gerade deshalb könnte ihre Empfehlung im bevorstehenden, möglicherweise knappen Vorwahlkampf für Chan den Ausschlag geben.

Die frühere Sprecherin hatte Chan bereits zuvor besonders viel Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen lassen, obwohl sie sich weiterhin dagegen stemmte, dies offiziell zu machen. Beraterinnen und Berater aus der lokalen Politiklandschaft in San Francisco interpretierten dieses Zögern als Versuch, zu prüfen, ob Chan auch in einem vollen Kandidatenfeld genügend Schwung entwickeln könnte.

Auch organisatorisch legte Pelosis Team nach: Es veröffentlichte einen kurzen Ausschnitt aus einem Unterstützungs-Video, in dem Pelosi und Chan gemeinsam zu sehen sind. Ein längeres Video soll demnach am Dienstag folgen. Pelosi betonte zudem, dass Chans Lebensweg als chinesische Einwanderin und Mutter eine besondere Perspektive in den Wettbewerb bringe.

„Als asiatisch-amerikanische Einwanderin und Frau spiegelt Connie Chan die Chancen des amerikanischen Traums wider — die Erwartungen und der Mut so vieler Familien, die in dieses Land kamen, weil sie an Möglichkeiten, Würde und Demokratie glaubten“, sagte Pelosi.