Nato: US-General rechnet weiter mit Abzug von Truppen aus Europa

Der Nato-Oberbefehlshaber für Europa, US-General Alexus Grynkewich, geht davon aus, dass die USA auch künftig Soldaten aus Europa abziehen. Gleichzeitig räumte er ein, dass bestimmte frühere US-Raketenpläne in Deutschland nicht umgesetzt werden. Hintergrund sind die Anpassungen der Bündnisstrategie sowie die Debatte um die Lücken, die durch weniger US-Präsenz entstehen könnten.

Key takeaways

  • Grynkewich erwartet in den kommenden Jahren weitere Rückverlegungen von US-Truppen aus Europa.
  • Er kann keinen festen Zeitplan nennen; der Abzug sei als fortlaufender Prozess über mehrere Jahre angelegt.
  • Die angekündigte Personalreduzierung umfasst kurzfristig insgesamt 5.000 US-Soldaten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.
  • Die vorgesehenen US-Raketenstationierungen in Deutschland werden vorerst nicht beginnen.
  • Europa soll nach Ansicht des Nato-Kommandeurs entstehende Fähigkeitslücken künftig stärker selbst schließen.
  • Es wird geprüft, ob Deutschland Tomahawk-Raketen zumindest erwerben und gegebenenfalls künftig auch mit deutscher Beteiligung produzieren kann.

Weitere US-Abzüge als mehrjähriger Prozess

US-General Alexus Grynkewich, der die Nato-Truppen in Europa führt, hat Details zum geplanten Abzug von US-Kräften aus Deutschland geliefert. Nach seinen Angaben sollen die USA den Bündnispartnern in den kommenden Jahren Zeit geben, damit diese die wegfallenden amerikanischen Einheiten durch eigene Fähigkeiten ersetzen können.

Ein konkreter Ablaufplan für die nächsten Schritte nannte er nicht. Stattdessen beschrieb Grynkewich das Vorhaben als einen „fortlaufenden Prozess über mehrere Jahre hinweg“. Auf die Frage, ob der angekündigte Abzug die regionalen Planungen der Nato beeinträchtigen könnte, zeigte er sich gelassen. Er betonte, dass die Entscheidung keinen Einfluss auf die Umsetzbarkeit der regionalen Vorhaben habe.

Geplant ist, dass die US-Regierung rund 5.000 Soldatinnen und Soldaten im Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten aus Deutschland zurücknimmt. Derzeit sind mehr als 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert.

Welche Kräfte betroffen sind – und was das für Europa bedeutet

Anfang Mai hatten die USA angekündigt, innerhalb eines Jahres 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Später erklärte US-Präsident Donald Trump, die Zahl werde „noch deutlich stärker“ verringert.

Grynkewich stellte nun klar, dass zumindest kurzfristig die Gesamtzahl bei 5.000 liege. Ein wesentlicher Teil dieser Kräfte sei der Brigade zuzuordnen, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 nach Deutschland verlegt worden war. Diese Brigade soll nun in die USA zurückkehren.

Langfristig müsse jedoch mit weiteren Verlegungen von US-Soldaten gerechnet werden. Als Begründung verwies Grynkewich auf den Ausbau europäischer Fähigkeiten und Kapazitäten, der dazu führen werde, dass amerikanische Kräfte an andere Einsatzschauplätze verlagert werden.

Der Abzug beunruhigt nach Darstellung aus dem Umfeld des Verteidigungsressorts vor allem weniger die Frage der Truppenstärke. Vielmehr steht die Sorge im Vordergrund, dass bestimmte Fähigkeiten verloren gehen könnten – insbesondere im Zusammenhang mit den Tomahawk-Marschflugkörpern. Europa müsse demnach die entstehende Fähigkeitslücke selbst schließen.

Raketenpläne in Deutschland zunächst nicht umgesetzt

Grynkewich bestätigte außerdem, dass die Vereinigten Staaten vorerst keine weitreichenden Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationieren werden. Konkret werde die zuvor geplante Verlegung eines „Long Range Fires Battalion“ zunächst nicht beginnen.

Einordnung: Tomahawk-Marschflugkörper und die ursprüngliche Vereinbarung

Bei Tomahawk handelt es sich um einen US-Marschflugkörper, der mit Unterschallgeschwindigkeit in sehr geringer Höhe fliegt, um gegnerische Radarsysteme zu umgehen. Die konventionellen Varianten verfügen über eine Reichweite von bis zu 1.600 bis 1.700 Kilometern. Damit könnte die Bundeswehr damit Ziele in Russland erreichen.

Laut Bundeswehr war vorgesehen, dass Deutschland und die USA vereinbaren, ab dem Jahr 2026 zeitweise US-Tomahawk-Marschflugkörper auf deutschem Boden zu stationieren. Diese Stationierung sollte eine Lücke in der Verteidigungsfähigkeit der Nato schließen und insbesondere gegen russische Raketendrohungen schützen.

Eine Abmachung aus dem Jahr 2024 hatte darüber hinaus vorgesehen, dass die USA von 2026 an wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen in Deutschland stationieren. Diese sollten weit bis in Richtung Russland reichen. Dazu sollten unter anderem Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern gehören, außerdem Raketen des Typs SM-6 sowie neu entwickelte Hyperschallwaffen.

Im politischen Kontext wird zudem die Frage diskutiert, wie stark die deutsche Wirtschaft und die Rüstungsindustrie von zusätzlichen Verteidigungsausgaben profitieren könnten. Der Hinweis lautet, dass Deutschland angesichts geopolitischer Krisen und Nato-Zielen mehr Geld für Sicherheit und Verteidigung aufwenden muss.

Spannungen zwischen Merz und Trump – und die Suche nach Auswegen

Zuletzt verdichteten sich jedoch Hinweise, dass die Trump-Administration sich nicht an die von der vorherigen Regierung getroffene Absprache halten wolle. Auslöser dafür waren Berichte über einen verbalen Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Trump.

  • Angespanntes Verhältnis: Merz gegen Trump

Die Bundesregierung hofft nun, dass Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper zumindest beschaffen kann. Zusätzlich wird geprüft, ob zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen ein gemeinsames Unternehmen („Joint Venture“) aufgebaut werden könnte, um die Tomahawk-Marschflugkörper künftig auch in Deutschland produzieren zu können. Über diese Überlegung hatte zunächst die „Welt“ berichtet.

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