Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat vor Beginn des G7-Treffens in Paris eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts gewarnt. Der SPD-Politiker sieht durch den Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus eine „ernsthafte“ Gefahr für die Weltwirtschaft – und fordert zugleich, dass Deutschland und Europa bei Rohstoffen, Energie und Lieferwegen stärker unabhängig sowie widerstandsfähiger werden.
Warnung vor Schock für Weltwirtschaft und Handel
Klingbeil erklärte vor seiner Abreise nach Paris, der Iran-Krieg sowie die Sperrung der Straße von Hormus könnten die wirtschaftliche Entwicklung massiv beeinträchtigen. Die Krisen zeigten seiner Ansicht nach, wie wichtig mehr Unabhängigkeit und „krisenfeste Lieferketten“ für Europa seien.
Der Minister ordnete die Lage als ernsthafte Bedrohung ein: Der Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der zentralen Wasserstraße wirkten nicht nur regional, sondern strahlten auf den Welthandel aus. Die Straße von Hormus zählt dabei zu den bedeutendsten Transportwegen für den internationalen Öl- und Gashandel.
G7 berät am Montag über Folgen für Welthandel
Auf der Agenda der G7-Finanzminister steht ab Montag im Mittelpunkt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Nahost-Konflikt hat und welche möglichen Konsequenzen sich für den Welthandel ergeben. Klingbeil machte deutlich, dass aus seiner Sicht „alles getan werden“ müsse, um den Krieg dauerhaft zu beenden, die Region zu stabilisieren und freie Seewege sicherzustellen.
„Dabei bleibt unser Weg als Europäer klar: Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation“, sagte Klingbeil. Er verwies zudem darauf, dass sich die Wirtschaftslage im Iran durch den Krieg weiter verschärft habe: Lieferketten seien unterbrochen, im Land zeigten sich Engpässe, und die Inflation sei stark gestiegen.
Konkrete Punkte, die Klingbeil betont
- Der Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus gelten als ernsthafte Gefahr für die Weltwirtschaft.
- Die G7 seien der passende Rahmen, um mit den USA und weiteren Mitgliedern über die drängenden Fragen zu sprechen.
- Notwendig seien Maßnahmen für ein dauerhaftes Ende des Krieges, Stabilisierung der Region und die Gewährleistung freier Seewege.
- Europa müsse unabhängiger sowie krisenfester werden – insbesondere bei Rohstoffen, Energie und Lieferketten.
Unabhängigkeit ausbauen – weitere Themen und Gespräche
Klingbeil begründete die Dringlichkeit der Debatte damit, dass die aktuellen Krisen zeigten, wie entscheidend eine stärkere eigenständige Absicherung Deutschlands und Europas sei. In Paris werde deshalb auch mit den Finanzministern aus Brasilien, Indien, Südkorea und Kenia gesprochen.
Die „Gruppe der Sieben“ (G7) ist eine informelle Allianz führender westlicher Industrienationen. Zu den Mitgliedern zählen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Frankreich hat derzeit den Vorsitz.
Gleichzeitig verwies Klingbeil auf den politischen Druck auf Iran: Die US-Regierung erhöhe mit neuen Sanktionen den Druck. Zudem sagte er, dass die andauernde Waffenruhe laut Angaben von US-Präsident Trump nur noch „am seidenen Faden“ hänge.
Weitere Beratungsfelder bis Dienstag
- Welthandel und kritische Rohstoffe
- Entwicklungsländer
- Kampf gegen die Finanzierung von Terrorismus sowie gegen organisierte Kriminalität
- Weitere Unterstützung der Ukraine
Ukraine bleibt Thema – geplantes Abkommen in Paris
Bis Dienstag sollen außerdem die Unterstützung der Ukraine und weitere internationale Fragen behandelt werden. Klingbeil unterstrich, die Menschen in der Ukraine könnten sich auf die Unterstützung verlassen.
Er mahnte zudem, Russlands „brutalen Angriffskrieg“ dürfe auch angesichts der Krise im Nahen Osten nicht aus dem Blick geraten. In Paris will Klingbeil außerdem gemeinsam mit seinem ukrainischen Amtskollegen Sergii Marchenko ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnen.
„Das stärkt den wirtschaftlichen Austausch und schafft Rechtssicherheit“, sagte Klingbeil zur geplanten Vereinbarung. Ziel sei damit, den wirtschaftlichen Kontakt zwischen den Ländern zu verbessern und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen.
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