Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen iranischen Drohnenangriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate öffentlich kritisiert. Teheran kontert nun mit Vorwürfen der „Heuchelei“ und stellt Merz’ Haltung zu den Angriffen auf Atomanlagen infrage. Parallel dazu kündigte US-Präsident Donald Trump zunächst eine vorerst gestoppte Militäraktion gegen Iran an und verwies auf Gespräche—während der Iran über den Vermittler Pakistan neue Vorschläge in den Ring brachte.
Iran weist Merz’ Kritik zurück
Gegenwind kommt aus Teheran: Der iranische Außenamtssprecher wirft Bundeskanzler Friedrich Merz „Heuchelei“ vor. Anlass ist Merz’ öffentliche Kritik an einem iranischen Luftangriff auf die Vereinigten Arabischen Emirate, die im Zusammenhang mit Angriffen auf Atomanlagen diskutiert wird.
In einem deutschsprachigen Beitrag auf der Plattform X erklärte der Sprecher, dass Angriffe aus dem US- und israelischen Umfeld auf iranische Atomanlagen bislang nicht mit derselben Empörung beantwortet worden seien. Ein vergleichbarer Drohnenangriff auf die Emirate habe dagegen hingegen bereits Kritik ausgelöst.
Baghai nennt Vorwürfe „False-Flag“
- Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai beanstandete, Merz habe Iran die Verantwortung für den Angriff zugeschrieben.
- Er bezeichnete die Anschläge als „mutmaßliche False-Flag-Operation“, also als Täuschungsmanöver, bei denen eine andere Seite als Urheberin dargestellt werden soll.
- Baghai argumentierte zudem, selbst die VAE hätten Iran bislang nicht offiziell als Täter benannt.
Merz verurteilt Angriffe auf die Emirate
Merz hatte am Montag ebenfalls über X „iranische Luftschläge gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und weitere Partner“ verurteilt. Dabei betonte er, es dürfe nicht zu einer weiteren Gewalteskalation kommen.
Hintergrund sind Berichte aus den Emiraten: Am Sonntag meldeten sie mehrere Angriffe. Einer habe demnach einen Stromgenerator außerhalb des inneren Sicherheitsbereichs des Atomkraftwerks Baraka getroffen. Der Ursprung der Drohnen werde noch untersucht, hieß es aus den Emiraten.
Kontroverse um die Bewertung der Attacken
Baghai knüpfte seine Kritik an Merz’ Position an und stellte sie in einen größeren Zusammenhang: Er verwies darauf, dass US- und israelische Angriffe auf iranische Atomanlagen aus seiner Sicht nicht ausreichend verurteilt worden seien. Demgegenüber habe der Angriff auf die VAE bereits entsprechende Reaktionen ausgelöst.
Trump stoppt Angriff – Iran bringt neue Vorschläge ein
Während die Debatte über die Angriffe weiterläuft, erklärte US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben, er sehe zunächst von einem Angriff auf Iran ab, der angeblich für den heutigen Tag geplant gewesen sei. In seinem Onlinedienst „Truth Social“ schrieb Trump, mehrere Golfstaaten hätten ihn darum gebeten, weil „ernsthafte Verhandlungen“ mit Teheran im Gange seien.
- Trump veranlasste laut Darstellung, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth und weitere US-Militärverantwortliche die bisherigen Pläne aussetzen.
- Ein Großangriff auf Iran solle erst dann gestartet werden, wenn ein „akzeptables Abkommen nicht erreicht wird“.
- Laut Aussagen von Vertretern mehrerer Golfstaaten sei ihnen allerdings kein solcher Angriffsplan bekannt.
Trump hatte zugleich zuvor erneut mit einer Wiederaufnahme des Krieges gegen Iran gedroht. Falls Teheran sich in den Verhandlungen nicht bewege, werde „von ihnen nichts mehr übrig bleiben“.
Iran: Straße von Hormus schrittweise öffnen
Unterdessen brachte der Iran über den Vermittler Pakistan nach eigenen Angaben frische Vorschläge als Reaktion auf den jüngsten US-Vorstoß ein. Nach Angaben, die in Berichten genannt werden, bot Teheran eine stufenweise Öffnung der Straße von Hormus an—einer für den globalen Öl- und Gashandel bedeutsamen Route. Gleichzeitig blieben jedoch laut Darstellung zentrale Fragen zum Streitpunkt des iranischen Atomprogramms weiterhin offen.
Außerdem hieß es unter Berufung auf eine iranische Nachrichtenagentur, die USA hätten zuletzt erneut unmissverständlich gemacht, dass die Kampfhandlungen nur dann dauerhaft eingestellt würden, wenn bestimmte Ergebnisse in Verhandlungen erzielt würden. Für Iran sei ein Ende der Kampfhandlungen—insbesondere auch der Offensive Israels im Libanon—hingegen eine Voraussetzung für weitere Gespräche.
Hinweise und weitere Informationen
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