Ben-Gvir-Video mit gefesselten Gaza-Aktivisten sorgt für Empörung und Kritik

Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir hat mit einem Videoposting über den Umgang mit Gaza-Aktivisten für breite Empörung gesorgt. In dem Clip werden gefangene Menschen aus einer Hilfsflotte gezeigt, gefesselt und auf Knien. Selbst innerhalb der israelischen Regierung kam es zu deutlicher Kritik – und auch mehrere europäische Staaten verurteilten die Szene.

Ben-Gvir veröffentlichte das Video auf seinem Profil im Onlinedienst X. Darin sind laut Darstellung Dutzende Aktivisten auf dem Deck eines Militärbootes zu sehen, während die israelische Nationalhymne zu hören ist. In dem Material ist zudem zu sehen, wie der Minister offenbar vor den knienden Gefangenen eine israelische Flagge schwenkt. Der Titel lautet „Willkommen in Israel“.

Die Aufnahmen, die gefangengenommene Aktivisten einer Gaza-Hilfsflotte zeigen, lösten am Mittwoch eine Welle der Empörung aus. Mehrere Länder äußerten scharfe Kritik, darunter Frankreich, Italien und Spanien. Auch die deutsche Seite reagierte: Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, bezeichnete den Umgang Ben-Gvirs mit den Gefangenen als „absolut inakzeptabel“. Zugleich distanzierte sich Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vom Video.

Während der Clip internationales Aufsehen erregte, verschärft sich nach Angaben zum Gaza-Geschehen die Lage im Küstengebiet weiter. Trotz einer Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas werde es schwieriger, medizinische Produkte zu beschaffen; Israel erschwere den Zugang. Parallel dazu bleibt die Frage nach dem Vorgehen gegenüber Hilfsaktivisten politisch umstritten.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine Hilfsflotte mit internationalen Aktivisten. Nach Darstellung der Ereignisse war die Flotte vergangene Woche von der Türkei aus in Richtung Gazastreifen ausgelaufen. Bereits zu Beginn dieser Woche wurde sie jedoch von israelischen Streitkräften gestoppt. Israelischen Angaben zufolge befanden sich 430 Aktivisten an Bord, die nach Israel gebracht werden sollten. Eine Organisation namens Adalah widersprach teilweise: Sie erklärte, einige der Menschen seien bereits im Hafen von Aschdod angekommen und dort festgehalten worden.

Die Kritik richtete sich nicht nur nach außen. Auch in der israelischen Regierung stieß Ben-Gvirs Vorgehen auf Ablehnung. Netanjahu erklärte, die Art und Weise, wie der Minister mit den Aktivisten der Flotte umgegangen sei, entspreche „nicht den Werten und Normen Israels“. Israels Außenminister Gideon Saar sagte mit Blick auf Ben-Gvir, die Darstellung habe dem Staat wissentlich geschadet und sei „nicht zum ersten Mal“ erfolgt; Ben-Gvir sei „nicht das Gesicht Israels“.

Ben-Gvir zeigte sich daraufhin nicht einsichtig. In einer Reaktion auf Saars Kritik legte er nach und erklärte, es gebe in der Regierung Menschen, die noch nicht verstanden hätten, wie mit Terrorunterstützern umzugehen sei. Dabei griff er seinen Kabinettskollegen auch direkt an: Vom israelischen Außenminister werde erwartet, dass er begreife, Israel sei „nicht mehr das Kind“, das sich alles gefallen lassen müsse.

Unabhängig von der Debatte um das Video verwies Israel zudem auf militärische Operationen im Gazastreifen. Nach eigenen Angaben habe ein Luftangriff den Militärchef der Hamas, Al-Haddad, zum Ziel gehabt und getötet; sieben weitere Menschen seien bei dem Angriff gestorben.

Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul verurteilte das Verhalten Ben-Gvirs. Er bezeichnete es als „vollkommen inakzeptabel“ und sagte, es widerspreche den Werten, für die Deutschland gemeinsam mit Israel stehe. Wadephul erklärte außerdem, er sei Gideon Saar dankbar „für die klaren Worte“, die dieser für das „unsägliche Verhalten“ gefunden habe. Zuvor hatte bereits Steffen Seibert, der deutsche Botschafter in Israel, ähnliche Kritik geäußert.

Die Empörung blieb nicht auf Deutschland und Israel beschränkt. Italien und Griechenland verurteilten jeweils die Behandlung der Aktivisten. Aus Rom hieß es, die Regierung fordere eine Entschuldigung für den Umgang mit den Menschen sowie „für die völlige Missachtung der ausdrücklichen Forderungen“ aus Italien. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach bei einem Besuch in Berlin von einer „monströsen, schändlichen und unmenschlichen“ Behandlung; Madrid habe den israelischen Geschäftsträger einbestellt.

Auch Frankreich, Kanada und Belgien bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ein. Die irische Außenministerin Helen McEntee zeigte sich „entsetzt und schockiert“ über das Video. Das türkische Außenministerium erklärte, Ben-Gvir habe der Welt „erneut die gewalttätige und barbarische Mentalität der Netanjahu-Regierung“ vor Augen geführt.

Während die diplomatische Kritik wuchs, fanden im April erstmals seit Beginn des Gaza-Krieges vor zweieinhalb Jahren Kommunalwahlen in den Palästinensergebieten statt. Im Gazastreifen sei es die erste Wahl seit 20 Jahren gewesen.

Die Auseinandersetzung um Hilfsflotten steht zudem in einem größeren Kontext. Ende April hatten israelische Streitkräfte bereits eine Hilfsmission für den Gazastreifen in internationalen Gewässern vor Griechenland gestoppt. Auf der griechischen Insel Kreta gingen 175 pro-palästinensische Aktivisten an Land. Zwei Aktivisten seien anschließend nach Israel gebracht und dort zehn Tage lang festgehalten worden.

Auch Ende 2025 hatte es laut Darstellung bereits den Versuch gegeben, mit einer Hilfsflotte in Richtung Gazastreifen zu fahren. Damals seien die Schiffe von der israelischen Marine aufgebracht worden; die Besatzungsmitglieder seien festgenommen und anschließend ausgewiesen worden.

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