Weißen Haus plant KI-Vorgaben: Unternehmen sollen Top-Modelle einreichen

Der Entwurf für eine neue Anordnung aus dem Weißen Haus würde Technologieunternehmen dazu auffordern, besonders leistungsfähige KI-Modelle zur Prüfung durch Bundesbehörden einzureichen. Vertraute Personen berichten, dass damit die Kontrolle über neueste Systeme deutlich ausgeweitet werden soll.

Die mit Spannung erwartete Initiative von Präsidentenamt und Regierungsspitze soll als Teil einer umfassenden Verordnung zu Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit eine ganze Reihe von Stellen einbinden. Ziel ist es, die Überprüfung moderner KI-Modelle zu verschärfen, sowohl bei Sicherheitsbehörden als auch bei zivilen Ressorts.

Quick facts

  • Entwurf für eine KI- und Cyber-Anordnung: Bundesbehörden sollen stärker in die Bewertung fortschrittlicher KI-Modelle eingebunden werden.
  • Industrie erhielt Details zur Weisung am Dienstagabend; eine Veröffentlichung gilt als möglich bereits ab Donnerstag.
  • Kernfrage: Soll eine bundesweite Prüfung vor einer Veröffentlichung verbindlich sein oder bleibt sie freiwillig?
  • Geplant sind zwei Hauptbereiche: Cybersicherheit sowie „covered frontier models“.
  • Pentagon: 30 Tage Zeit, um Netzwerke zu härten; weitere 30 Tage für breitere KI-Nutzung in Regierung und kritischer Infrastruktur.
  • Finanzministerium: Aufbau eines freiwilligen Koordinationsmechanismus innerhalb von 30 Tagen.
  • Ein zweiter Block: 60 Tage, um ein klassifiziertes Benchmarking-Verfahren zur Definition „covered frontier models“ zu schaffen.
  • NSA soll die abschließenden Einstufungen vornehmen, abgestimmt mit anderen Stellen.

Am Dienstagabend hätten Vertreter aus der Industrie erste Einzelheiten zur Direktive vom Weißen Haus erhalten, wie vier mit den Gesprächen vertraute Personen schilderten. Drei weitere Informierte gehen davon aus, dass die Anordnung schon ab Donnerstag auf den Weg gebracht werden könnte.

Die Beteiligten erhielten Anonymität, um über laufende, hochvertrauliche Beratungen sprechen zu können. In den kommenden Wochen dürfte die Diskussion damit weiter an Fahrt gewinnen, weil die Details unmittelbar Einfluss auf die Entwicklung und Veröffentlichung neuer KI-Systeme haben.

Freiwillige Prüfung statt verpflichtender Vorabgenehmigung

Eine zentrale Frage sei, ob die Anordnung eine verpflichtende bundesweite Prüfung fortschrittlicher KI-Modelle verlangt, bevor diese öffentlich gemacht werden dürfen. Von dieser Idee habe sich die Trump-Regierung zuvor bereits distanziert, nachdem sie im laufenden Monat zunächst ins Gespräch gekommen war.

Im aktuellsten Entwurf werde hingegen vorgesehen, dass Entwickler bestimmte Modelle für bis zu 90 Tage vor der Veröffentlichung einem freiwilligen Prüfprozess unterziehen. Dieser Prozess soll von mehreren Bundesbehörden getragen werden, wie die Informierten berichten.

Die erwartete Maßnahme gilt als weiterer Schritt der Regierung, die Kontrolle über Anbieter leistungsstarker KI-Systeme zu erhöhen. Gleichzeitig soll der Ansatz den Wettbewerb und die Innovation im Technologiesektor grundsätzlich nicht ausbremsen, sondern Risiken für schwere Schäden eindämmen.

Der Vorstoß kommt inmitten einer politischen Spannungslage: In der Vergangenheit habe es Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon gegeben, unter anderem darüber, wie stark die Firma militärische Einsatzmöglichkeiten ihrer Technologie begrenzen will. Zudem sei kurz darauf das leistungsstarke „Mythos“-Modell von Anthropic nur an eine kleine Gruppe von Unternehmen weitergegeben worden.

Mehrere Wochen widersprüchlicher Signale aus dem Regierungsapparat hätten bei Beobachtern für Verwirrung gesorgt, in welche Richtung das Weiße Haus letztlich steuert. Eine mit den internen Abläufen vertraute Person brachte die Lage mit den Worten auf den Punkt, „jeder“ sei beteiligt – und deshalb habe die Initiative mal auf der Agenda gestanden, dann wieder nicht, und anschließend erneut.

Zwei Schwerpunkte: Cyber-Absicherung und „Frontier“-Modelle

Der Entwurf der Exekutivanordnung soll mindestens zwei Abschnitte enthalten. Der erste Bereich konzentriert sich auf die Cybersicherheit, der zweite auf „covered frontier models“, also solche Modelle, die unter die Definition der Anordnung fallen.

Im ersten Teil wird dem Pentagon eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um seine Netzwerke abzusichern. Dazu zählen auch zentrale Telekommunikations- und Informationssysteme.

Für die zweite Säule sieht der Entwurf laut drei Informierten eine 30-tägige Frist vor, innerhalb der die Regierung eine breitere Nutzung von KI in Regierungsanwendungen sowie in Organisationen der kritischen Infrastruktur anordnen könnte. Genannt werden dabei unter anderem Gemeinde-Banken, ländliche Krankenhäuser und Versorgungsunternehmen.

Freiwilliger Koordinationsmechanismus im Finanzministerium

Zusätzlich soll das Finanzministerium die freiwillige Zusammenarbeit mit Vertretern der KI-Industrie anführen. Innerhalb von 30 Tagen soll ein Clearinghouse entstehen, wie fünf mit den Details vertraute Personen berichten.

Diese Initiative soll eine freiwillige Partnerschaft zwischen KI-Anbietern sowie Betreibern und Eigentümern kritischer Infrastruktur ermöglichen. Ziel sei es, Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben, bevor größere Schäden entstehen.

Unterstützung sollen weitere Behörden leisten, darunter das Office of the National Cyber Director, die National Security Agency sowie die Cybersecurity- und Infrastruktur-Sicherheitsbehörde. Auch das laufende Timing wird dabei als entscheidend betrachtet, um rasch Sicherheitslücken zu schließen.

Das Personalamt (Office of Personnel Management) soll außerdem angehalten werden, die Einstellung für die U.S. Tech Force zu erhöhen. Das Programm war Ende des vergangenen Jahres vom OPM-Leiter Scott Kupor angekündigt worden und soll gezielt Spitzenkräfte im Bereich KI für verschiedene Bundesbehörden gewinnen.

Der zweite Abschnitt dürfte einer Gruppe von Behörden und Ämtern eine 60-Tage-Frist geben. Dazu gehören das Finanzressort, die CISA sowie das National Institute of Standards and Technology. Sie sollen ein klassifiziertes Benchmarking-Verfahren aufstellen, mit dem festgelegt wird, was unter „covered frontier model“ im Sinne der Anordnung zu verstehen ist.

An dem Benchmarking sollen dem Entwurf zufolge auch hohe Regierungsvertreter beteiligt sein: Susie Wiles, die Stabschefin des Weißen Hauses, der National Cyber Director Sean Cairncross sowie Michael Kratsios, der die Behörde für Wissenschaft und Technologie im Weißen Haus (Office of Science and Technology Policy) leitet.

Letztlich soll die NSA die endgültigen Einstufungen treffen. Dabei soll sie sich mit anderen Stellen abstimmen, um die Entscheidungen abzusichern.

Pflichten für teilnehmende Entwickler

Der Entwurf verlangt von KI-Entwicklern, die sich im freiwilligen Rahmen beteiligen, drei konkrete Schritte. Erstens sollen sie sich vor der Veröffentlichung der von der Anordnung erfassten Modelle mit der Regierung abstimmen.

Zweitens soll die Regierung Zugriff auf die betreffenden Modelle erhalten, und zwar 90 Tage bevor sie öffentlich gemacht werden. Drittens soll die Regierung Zugang zu ausgewählten Systemen erhalten, bevor diese in kritischen Bereichen an den Start gehen.

Einzelne Punkte der Direktive, darunter der 90-Tage-Zeitplan für die freiwillige Überprüfung, waren zuvor bereits durch eine Berichterstattung bekannt geworden.

Rückmeldungen blieben zunächst aus: Sprecher von ONCD, NIST, dem Finanzministerium und der NSA reagierten nicht unmittelbar auf Anfragen. Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums, in dem die CISA angesiedelt ist, verwies auf das Weiße Haus; auch dort ging zunächst keine unmittelbare Stellungnahme ein.

Die Initiative entsteht vor dem Hintergrund, dass besonders fortgeschrittene, stark auf Cyber-Sicherheit ausgerichtete Modelle wie „Mythos“ in vielen Staaten und in wichtigen Branchen für Unruhe gesorgt haben. Die Reichweite solcher Systeme gilt als potenziell zu groß, um sie ohne zusätzliche Prüfmechanismen in Verkehr zu bringen.

Kurze Zeit nach der Vorstellung von „Mythos“ durch Anthropic im vergangenen Monat, bei der das Modell nur einem begrenzten Kreis aus Technikunternehmen und Sicherheitsforschern vorgestellt wurde, habe das Weiße Haus Gespräche mit der Technologie- und Cyber-Industrie aufgenommen. Dabei ging es um mögliche Details zur Direktive.

Im Verlauf der Ausarbeitung seien jedoch Risse innerhalb der Trump-Regierung deutlich geworden. Beobachter deuten darauf hin, dass Uneinigkeit darüber besteht, welcher Weg am besten geeignet ist, um die „Frontier“-Modelle wirksam abzusichern.