Amnesty warnt: Weltweite Hinrichtungen auf höchstem Stand seit Jahrzehnten

Die Zahl der Hinrichtungen ist nach Angaben von Amnesty International weltweit deutlich angestiegen. Die Menschenrechtsorganisation spricht von der höchsten Quote seit Jahrzehnten und sieht darin ein Warnsignal für den Umgang vieler Staaten mit dem Recht auf Leben.

Zahlen weltweit gestiegen: Höchste Zahl an Exekutionen seit 44 Jahren

Amnesty International meldet für das vergangene Jahr mindestens 2.707 vollstreckte Todesurteile in 17 Staaten. Damit liegt die Zahl nach Einschätzung der Organisation auf dem höchsten Stand seit 44 Jahren.

Im Iran seien dabei besonders viele Urteile vollstreckt worden: Dort wurden den Angaben zufolge mehr als doppelt so viele Todesstrafen umgesetzt wie im Jahr 2024.

Insgesamt wurden laut Amnesty rund 2.700 Hinrichtungen vollstreckt. Das entspreche einem Zuwachs um 78 Prozent gegenüber 2024 und einer Größenordnung, die seit 44 Jahren nicht mehr erreicht worden sei.

Amnesty ordnet die Todesstrafe als die härteste Form staatlicher Gewalt ein. Sie sei unmenschlich, endgültig und lasse weder Korrekturen noch Fehlerausgleich zu.

„Dass weiterhin Regierungen auf die Todesstrafe setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben“, sagte die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Julia Duchrow. Die Organisation schätzt zudem, dass die tatsächliche Zahl höher liegt, unter anderem weil im Umgang mit Exekutionen in China erhebliche Intransparenz herrsche.

Im Januar seien iranische Sicherheitskräfte Massenproteste im Land brutal niedergeschlagen. Amnesty zufolge waren danach mindestens 30 Hinrichtungen geplant.

Amnesty: Iran setzt die Todesstrafe als Mittel zur Einschüchterung ein

Der Anstieg sei vor allem durch den Iran geprägt. Dort seien mindestens 2.159 Menschen hingerichtet worden. Unter erheblichem Druck setzten die Verantwortlichen die Todesstrafe weiterhin ein, um jene zu bestrafen, die das System herausforderten, so Duchrow.

„Im Iran können wir auf bedrückendste Weise verfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten“, sagte die Generalsekretärin.

Auch in diesem Jahr seien nach den Protesten im Januar im Verlauf des Kriegs gegen die USA und Israel bereits mehrere Menschen in Iran exekutiert worden.

Amnesty verweist zudem auf Videos aus dem Iran, die die Brutalität der Sicherheitskräfte zeigen. Augenzeugen und Fachleute sprechen demnach von Massakern an Protestierenden.

Amnesty erwartet Tausende Hinrichtungen in China – Ausmaß unklar

Amnesty zufolge findet weltweit die größte Zahl an Hinrichtungen in China statt. Zugleich bleibe das tatsächliche Ausmaß schwer zu beziffern, weil Angaben zu Exekutionen dort als „Staatsgeheimnis“ behandelt würden. Die Menschenrechtsorganisation nennt jedoch eine geschätzte Größenordnung von mehreren Tausend.

Auch in China werde die Todesstrafe eingesetzt, „um zu signalisieren, dass der Staat Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit oder Stabilität nicht toleriert“.

Amnesty wirft der US-Regierung einen systematischen Angriff auf Menschenrechte vor. Gleichzeitig wird Deutschland für eine Haltung ohne sichtbaren Widerspruch scharf kritisiert.

Wieder mehr Hinrichtungen in den USA

In den USA registrierte Amnesty 47 Hinrichtungen. Damit sei die Zahl so hoch wie seit 2009 nicht mehr. US-Präsident Donald Trump gilt nach Amnesty als Befürworter der Todesstrafe, die in mehr als zwei Dutzend der 50 Bundesstaaten grundsätzlich zulässig ist. In einigen Bundesstaaten werde sie jedoch faktisch nicht mehr vollstreckt.

Parallel dazu ändern sich in den Vereinigten Staaten die Regeln zur Todesstrafe auf Ebene des Bundes: Künftig sollen verurteilte Personen auch durch Erschießen hingerichtet werden dürfen. Das entsprechende Vorgehen wurde vom Justizministerium angekündigt.

Drogendelikte werden mit dem Tod bestraft

Von den dokumentierten 2.707 Fällen entfielen 1.257 auf Drogendelikte – damit fast die Hälfte der bekannten Hinrichtungen. Amnesty nennt als Länder, in denen solche Exekutionen insbesondere vollstreckt wurden: China, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur sowie der Iran.

Die Organisation kritisiert, dass in weiteren Staaten Vorhaben vorangetrieben würden, um Drogendelikte künftig mit der Todesstrafe zu ahnden.

Amnesty stellt fest, die Todesstrafe verletze die Würde des Menschen in ihrem Kern. Hinrichtungen für Straftaten wie Drogendelikte seien zudem ein Bruch des Völkerrechts.

Duchrow betonte, die Todesstrafe dürfe ausschließlich bei „schwersten Verbrechen“ verhängt werden.

Israel will den Einsatz der Todesstrafe ausweiten

In dem Bericht thematisiert Amnesty auch ein neues israelisches Gesetz aus diesem Jahr. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann.

Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten sei die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend.

Außerdem richtet Israel den Angaben zufolge ein spezielles Militärgericht zur Strafverfolgung des Hamas-Überfalls ein. Das beschlossene Gesetz soll auch die Todesstrafe ermöglichen.

Das Gesetz muss noch vom obersten Gericht in Israel geprüft werden. Kritiker warnen, es betreffe in der Praxis de facto vor allem Palästinenser.

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