Sozialarbeiter zu Rheinbad-Tumulte: „Abschiebung zerstört das Leben der Jugendlichen“

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Nach mehreren Vorfällen mit aggressiven, randalierenden Jugendlichen im Düsseldorfer Rheinbad sollen nun Maßnahmen für Abhilfe sorgen. Nach den wiederholten Tumulten gilt nun eine Ausweispflicht und Besucher werden mit einem kleinen Armbändchen gekennzeichnet, ferner soll  eine neue Videoüberwachung installiert werden.  Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings (CDU), geht noch einen Schritt weiter und fordert von den Behörden die Überprüfung der Aufenthaltsrechte, um eine Abschiebung zu erleichtern.

Zu den „unschönen Szenen und Bildern“ meldet sich auch ein Experte zu Wort, Samy Charchira, selbst in Marokko aufgewachsen und arbeitet bereits seit vielen Jahren als Sozialpädagoge im Düsseldorfer Stadtteil Bilk mit Jugendlichen aus nordafrikanischen Staaten. Nach Charchiras Logik sei Abschiebung keine Lösung, vielmehr sollten Sozialarbeiter auf die problematischen, respektlosen Jugendlichen mit Gesprächen einwirken und somit der Rudelbildung entgegenwirken. Da kann man gespannt sein, wie lange der Versuch einer Integrationsbemühung funktioniert, und falls Erfolge ausbleiben, kann alternativ das Rheinbad wieder geräumt werden.

Focus Online berichtet:

Sozialarbeiter Samy Charchira hält deshalb von restriktiven Maßnahmen, etwa der Androhung von Abschiebungen, wenig: Gleich mit aufenthaltsrechtlicher Repression zu reagieren, helfe nicht wirklich. „Eine Abschiebung zerstört das Leben der Jugendlichen“, sagt Charchira. „Darüber sollte die Politik mit größerer Verantwortung nachdenken.“

Samy Charchira spricht sich für Gegenmaßnahmen im Rheinbad aus: „Es kann helfen, dass Sozialarbeiter in die Einrichtung kommen, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu gehen und sie zu fragen, warum sie sich ausgerechnet dort versammeln.“ Weiter erklärt Charchira: „Wenn dort jemand ist, der die Lage beobachtet, der sich einmischt, dann hilft das, keinen rechtsfreien Raum entstehen zu lassen. Die Situation nur zu beobachten wäre fatal, weil dann eine Dynamik entstehen kann, die man nicht mehr im Griff hat. Man muss in die Gruppenprozesse eingreifen, um zu verhindern, dass eine Spirale entsteht und die Lage sich immer weiter hochschaukelt.“

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