Putschversuch in der Türkei: Erdogan will Militär säubern lassen

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Erdogan ist nicht der Schreiber der Tragödie, er ist der tragische Held. Noch ist die Nachrichtenlage zu verworren um sich eine Meinung zu bilden, wer für den dilettantisch geplanten  Putschversuch in der Türkei verantwortlich ist. Wer hat diesen kleinen Teil der Armee aufgestachelt? In wessen Auftrag haben sie gehandelt? Schlimm, dass Menschen bei diesem Putschversuch verletzt und getötet wurden. Noch schlimmer jedoch ist die Tatsache, dass Erdogan sein eigenes Volk dazu aufforderte sich den Soldaten, Panzern entgegenzustellen und damit ihr Leben zu riskieren, während er darauf bedacht war erst mal abzutauchen und sein Leben zu sichern. Zumindest waren rund 2.000 Türken, die dem Aufruf Erdogans folgten und vor der türkischen Botschaft in Berlin ihre Loyalität bekundeten, zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Die Führungskräfte des Militärs, das traditionell das Fortbestehen der kemalistischen Republik zu sichern hätte, wurden im Laufe der Jahre von Erdogan soweit wie möglich ausgetauscht. Durch das Verhaften der am Putsch Beteiligten wird auch dieser Prozess nun komplettiert: Erdogan will Militär säubern lassen. Der Sonnenkönig vom Bosporus war scheinbar noch nicht fertig mit dem Umbau der Türkei, jetzt legt er den Turbo ein? Dieser Putschversuch könnte nun zu Erdogans Meisterstück werden, um  das Militär gründlich nach seinen Vorstellungen weiter zu „säubern“ und seine Macht zu zementieren, sich als der allmächtige Sultan zu inszenieren, als der er sich selbst sieht – der Garant von Sicherheit und Ordnung, der hart gegen alle durchgreift, die sich gegen ihn stellen. Diesen amateurhaften Staatsstreich der Gülen Bewegung zuzuordnen und nach Vergeltung zu rufen, passt doch ganz in Erdogans bisheriges Regierungsmuster?

Die Ereignisse der vergangenen Nacht offenbaren abermals die Instabilität der Türkei, die sich in den letzten Jahren unter dem Regime Erdogan weiter von Europa entfernt hat, denn je. Umso absurder erscheint die Vorstellung, dass die Türkei jemals als Mitglied der EU in Betracht kommen kann.

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