Polizei in Chemnitz hält Fahndungsfoto zurück: „Wir müssen an den Schutz des Täters denken“

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Unfassbar, was in Deutschland abläuft. Die Persönlichkeitsrechte eines Täters haben Vorrang, deshalb veröffentlicht die Polizei in Chemnitz bisher noch nicht das Fahndungsfoto. Nun läuft der hundertfache Reifenstecher immer noch frei herum, kann ungehindert weitere Straftaten begehen, weil die Polizei der Auffassung ist und hofft, er meldet sich freiwillig – bis Donnerstag. Nicht nur, dass immer weniger über die Herkunftsregion der Straftäter berichtet wird, nun will man auch noch Fahndungsfotos zurückhalten.

[…] Seit Mitte 2016 hat er die Reifen an mehr als 500 Autos zerstochen, einen Schaden von mehr als 70 000 Euro angerichtet. Jetzt hat die Chemnitzer Polizei ein Foto des Täters – von einer Überwachungskamera. Das Gericht erlaubte die Öffentlichkeitsfahndung in Printmedien, im Internet, in sozialen Netzwerken, im Fernsehen , doch die Ermittler warten lieber ab. „Wenn wir Bilder von ihm veröffentlichen und er in seinem Umfeld erkannt wird, besteht für ihn eine gewisse Gefahr“.

Polizeisprecherin Jana Kindt (52) zu BILD: „Wir müssen an den Schutz des Täters denken. Da auch die Persönlichkeitsrechte des gefilmten Mannes nach dem Grundgesetz ein hohes, schützenswertes Gut sind, räumen die Ermittler ihm die Möglichkeit ein“, sich bis Donnerstag bei der Polizei zu melden. Erst wenn er das nicht tut, will sie die Aufnahmen veröffentlichen.

„Eine sehr kulante Lösung für den Täter“, kommentiert Cathleen Martin (43), Sachsen-Chefin der Polizeigewerkschaft DPolG. Und auch das Innenministerium rügt: „Ein sehr ungewöhnliches Vorgehen“, so Alexander Bertram (41), Sprecher der Behörde und selber Polizist. […] Quelle: Bild.de/27.4.2018


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