Not nur im Mittelmeer? – „Seenotretter“ zum Stillstand verdammt

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Symbolbild

Wenn man nicht weiß, was man tun soll, spricht so manch redegewandter von: was tun sprach Zeus, im jetzigen Fall kann man wohl sagen: was tun sprach Neptun? Da hat der tiefrote Weserkurier, leider inzwischen vom Niveau in etwa wie der Werbeprospekt vom örtlichen Discounter, tatsächlich einen Artikel über die Nepper, Schlepper und Bauernfänger der SOS Méditerranée geschrieben, welche seit sechs Monaten keine Flüchtlinge mehr auf den gefährlichen Weg aufs Mittelmeer locken können. Gut, der WK schreibt von retten können.

Das diese profit- und aufmerksamkeitssüchtigen Selbstdarsteller der Hauptgrund sind, warum sich überhaupt Menschen aufmachen und ihr Leben riskieren, darauf kommt in tiefroten Weltverbesserer-Bremen niemand. Mit Weitsicht ist es in Bremen etwa so gut bestellt wie mit einem positiven Haushaltsergebnis. Stattdessen wird lieber gejammert, sich in Selbstmitleid gewälzt und nach Gründen gesucht, warum man gerade nicht europäische Gesetze aushebeln und sich selbst zum chronischen Gutmenschen und Weltverbesserer erklären kann. Was haben diese Möchtegernseeleute eigentlich in den sechs Monaten sinnvolles gemacht? Gearbeitet? Geld für die Mission verdient? Wäre ja auch mal interessant zu wissen, welchen Beitrag sie in dieser Zeit zum Sozialsystem geleistet haben, in welches sie hunderte und tausende Neuankömmlinge locken.

[…]  Seit Dezember verfügt SOS Méditerranée über kein Schiff mehr. Nachdem der „Aquarius“ des Bremer Reeders Christoph Hempel mehrfach die Flagge entzogen worden war, hatten SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen ihren Einsatz im Dezember vorerst beendet. Seitdem versuchen die Teams in Deutschland, Frankreich und Italien den Weg zurück ins Mittelmeer zu ebnen. „Es ist unsere feste Absicht, zurückzukehren“, sagt Barbara Hohl, Sprecherin von SOS Méditerranée. Sie und ihre Kollegen arbeiten von Berlin aus an diesem Ziel. Die größte Hürde dabei: Eine Reederei zu finden, die sich trotz der angespannten Situation zutraut, die Seenotretter zu unterstützen. […] Auszug aus dem Weser Kurier Artikel „Seenotretter zu Stillstand gezwungen“

Für die, die es nicht wissen: die Schifffahrt befindet sich seit gut einem Jahrzehnt in der Krise, Reedereifusionen, Allianzen und massives Preisdumping bestimmen den Alltag und eine Reederei hat immer das Ziel wirtschaftlich zu agieren. Wahrscheinlich sind jetzt alle Reedereien, die nicht helfen, rassistisch trotz multinationaler Besatzungen. Und eine Flagge wird niemals ohne Grund entzogen, auch Nepper, Schlepper und Bauernfänger müssen sich an internationale Gesetze halten und sich nicht Frau Merkel als Vorbild nehmen, die dieses ja gerne nicht tut.

Offensichtlich gibt es für die Seenotverursacher nur im Mittelmeer Not und Elend und sonst nirgendwo. Warum machen sich die barmherzigen Samariter nicht Richtung Jemen oder Somalia auf und „überbrücken“ die Zeit des Wartens, des Stillstandes (grazie Signor Salvani ) und helfen dort Menschen in Not? Oder ist dies etwa unrentabel, bringt das nicht genug Publicity oder ist der Einsatz dort etwa zu teuer?

Wird die Not der Menschen von den NGOs tatsächlich davon abhängig gemacht, wer am besten zahlt oder was am meisten Schlagzeilen bringt? Bestimmt gibt es hierfür tausende Ausreden, warum man nur vor Libyen „fischen“ und schleppen geht. Bestimmt gibt es auch genug Ausreden, warum Tunesien ein unsicheres Land ist, obwohl es in Reisebüros doch noch als herrliches Urlaubsland beworben wird und es von Libyen dorthin nur ein paar Stunden auf See sind.

Anstatt mal versuchen logisch zu denken und zu realisieren, dass sie selbst der Grund für das Sterben im Mittelmeer sind, wird mal wieder auf die Tränendrüse gedrückt und jetzt argumentiert, dass die Ausrüstung an Bord der Mittelmeertaxis auch durch Kühlräume für Tote ( für die die NGOs selbst verantwortlich sind ) ergänzt werden müssen, was natürlich auch Italiens Schuld ist, da die Schiffe länger auf See bleiben müssen. Auch ist die libysche Küstenwache dysfunktional und unzureichend ausgerüstet bzw. schwer erreichbar, so die Seenotverursacher, da Rom jetzt nicht mehr die Zentrale ist. Mal wieder sind es die anderen, warum nutzt man nicht die Zeit um die libysche Küstenwache zu unterstützen bzw. um besser mit denen zusammenzuarbeiten? Ein Schelm, der Böses sich dabei denkt.

Kein Leid ist zu groß, keine Schuldzuweisung zu hanebüchen und keine Ausrede zu dumm, um Gelder zu generieren und das große Sterben wieder anzukurbeln, sich damit zu profilieren und natürlich auch zu profitieren.

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