Markus Gärtner: Proteste quer durch den Kontinent

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In Frankreich kämpfen auf der Straße Feuerwehrleute gegen die Polizei – Bengalos hier, Wasserwerfer dort. In den Niederlanden – und auch bei uns – protestieren Bauern dagegen, dass sie ihre Agrarprodukte mit immer weniger Fläche, immer mehr Auflagen und wachsendem wirtschaftlichen Druck erzeugen. In den Niederlanden wurden in dieser Woche mit Baggern und Traktoren Verwaltungsgebäude gestürmt oder blockiert. In Katalonien begehren Hunderttausende von Menschen gegen die Zentralgewalt in Madrid auf, weil diese gegen führende Politiker der Region wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen drakonische Gefängnisstrafen verhängt hat. Der Flughafen von Barcelona wurde lahm gelegt, Tausende gingen auf die Straßen.

In Deutschland schließlich liefern sich Türken und Kurden Straßenschlachten und Hetzjagden, seitdem türkische Truppen völkerrechtswidrig in Syrien einmarschiert sind.

Ganz klar, in Europa herrscht Aufruhr.

Über die einzelnen Konflikte liest man in deutschen Zeitungen hin und wieder Berichte, die ganze Wucht der Proteste wird aber nirgends richtig deutlich.

Vor allem nicht die Tatsache, dass nun in weiten Teilen Europas Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen gegen lokale oder zentrale Regierungen aufbegehren. Und erst wenn man sich die Bilder anschaut, die im Netz über die lokalen Demonstrationen und Proteste zu finden sind, wird deutlich: Teile von Europa sind im Aufruhr. Und das schon bevor die wirtschaftliche Ruhephase, die Notenbanken mit Nullzinsen nach der jüngsten Finanzkrise erkauft haben, zu Ende ist.

Doch jetzt macht sich eine Rezession breit, die viele hunderttausend Arbeitsplätze bei uns kosten wird. Und was kommt dann?

Niemand weiß, wie viel Protest sich dann auf den Straßen des Kontinents entladen wird. Aber eines ist klar. Es wird noch deutlich mehr werden. Doch die Bilder sehen teilweise jetzt schon wie aus einem Bürgerkrieg aus.

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