Jörg Meuthen: Spiegel Reporter fälschte Beiträge nach Gutdünken

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Liebe Leser, gestern schlug eine Nachricht in der deutschen Medienwelt wie eine Bombe ein: Der mehrfach preisgekrönte Spiegel-Redakteur Claas Relotius hat eingeräumt, zahlreiche seiner Reportagen gefälscht zu haben.

Das bedeutet, dass die hauseigene Qualitätskontrolle, derer man sich beim Spiegel bislang rühmte, augenscheinlich über Jahre von diesem Herrn problemlos ausgetrickst werden konnte.

Die Deutsche Journalisten-Union (dju) ordnet diesen Betrugsfall dementsprechend auch wie folgt ein: „Das dürfte der größte Betrugsskandal im Journalismus seit den Hitlertagebüchern sein.“

https://www.focus.de/…/journalistenunion-zu-spiegel-skandal…

Derzeit sind 14 Fälle nachgewiesen, nach Recherchen der Bild-Zeitung könnten aber bis zu 55 Geschichten mehr oder weniger ein Produkt der Phantasie dieses Herrn sein.

https://www.bild.de/…/bis-zu-55-artikel-manipuliert-faelsch…

Und Phantasie hatte er reichlich. So beschrieb er in seiner Reportage „Ein Kinderspiel“ einen Jungen aus Syrien, der glaubte, mit einem Graffiti gegen Assad den Krieg mitausgelöst zu haben.

Eine tolle Reportage, fraglos. Nur leider in dieser Form erfunden, denn Herr Relotius war gar nicht in Syrien. Stattdessen führte er angeblich WhatsApp-Gespräche mit irgendeinem Jungen, von dem man nichts Genaueres weiß.

Für diese Fälschung hatte der Spiegel-Redakteur vor knapp drei Wochen noch den „Deutschen Reporterpreis“ erhalten, übrigens zum vierten Mal in seiner „Karriere“. Wie peinlich für alle Beteiligten.

Der Platz in meiner Kolumne reicht bei weitem nicht aus, um auf jede seiner Fälschungen einzugehen. Erwähnt seien nur noch zwei Reportagen: Zum einen eine erwiesene Fälschung, wegen der Relotius nun auch aufflog, nämlich seine Reportage über eine angeblich fremdenfeindliche Bürgerwehr im US-Bundesstaat Arizona. Frei erfunden!

Zum anderen sei ein Beitrag erwähnt, bei dem die Fälschung zwar noch nicht erwiesen ist, aber der „Spiegel“ selbst nun Zweifel hat. Es geht hier um ein Interview mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der Hitler-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Relotius hatte mit der 99-Jährigen Dame angeblich über die AfD und die „Lügenpresse“ gesprochen.

Das böse, da alle Journalisten unter Generalverdacht stellende Wort der „Lügenpresse“ habe ich in der Vergangenheit nicht in den Mund genommen, und ich habe dies auch in Anbetracht des nun aufgeflogenen Fälschungs-Skandals nicht vor. Das Fehlverhalten jenes Herrn bedeutet nämlich nicht, dass seine Kollegen beim „Spiegel“ sowie den zahlreichen anderen Print-, TV-, Hörfunk- und mittlerweile auch Internetmedien vergleichbar agieren.

Wir als Alternative für Deutschland wissen nämlich, was es heißt, unter Generalverdacht gestellt zu werden, nur weil ein einzelnes Mitglied vielleicht eine unangebrachte oder sogar nur missverständliche Äußerung getätigt hat.

Auf der anderen Seite täte auch manchen Medienschaffenden ein wenig mehr Zurückhaltung und Sorgfalt gut: Wer das eigene Ego oder die eigene politische Gesinnung in den Vordergrund seines journalistischen Handelns stellt, wird schwerlich Beiträge erarbeiten können, die den Ansprüchen seiner Leser oder Zuschauer auf objektive Information gerecht werden – die Bürger erwarten nämlich nach wie vor Information und keine Indoktrination durch „Haltungs-Journalisten“.

Und wer sich – wie der „Spiegel“ – zum „Sturmgeschütz der Demokratie“ erhöht (Zitat des Gründers Rudolf Augstein), der sollte seinen eigenen Ansprüchen auch tunlichst gerecht werden – die Fallhöhe ist wahrlich nicht gering.

Zeit für journalistisches Berufsethos. Zeit für Information statt Indoktrination. Zeit für die #AfD.

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