Hans-Hermann Tiedje: Deutschland im Wahljahr – Dann ist es vorbei mit der mächtigsten Frau der Welt

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2005 war Angela Merkel die Neue, die erste Frau im Kanzleramt. 2009 managte sie die Tigerenten-Koalition Schwarz-Gelb, 2013 erreichte ihre Union 41,5 Prozent, seither ist sie Kanzlerin der grossen Koalition. Die Frau hat also ungewöhnlich viel erreicht in ihrem Leben, üblicherweise wird sie als «mächtigste Frau der Welt» tituliert, und gern würde sie das offenbar auch bleiben. Wenn nur diese schreckliche Weltpolitik nicht wäre. Auf welche Welt blickt Merkel heute, Anfang 2017? Welche Optionen hat sie noch? Was sind ihre Aussichten? Sie sind offenkundig nicht erfreulich. Eine Chronologie vorhersagbarer Ereignisse von Hans-Herrmann Tiedje, nachfolgend einige Auszüge:

[…] Bei der sogenannten Flüchtlingskrise ist das anders. Die Mehrzahl der Deutschen ahnt, dass und wie sie hinters Licht geführt wird. Hinter den «Flüchtlingen» verbergen sich natürlich sehr oft echte Schutzsuchende, aber eben sehr oft auch pure Wirtschaftsmigranten, islamistische Fanatiker und serienweise Gelegenheitstäter, die sich im deutschen Sozialstaat zu bedienen gedenken. Falsche Asylbewerber gehören in Deutschland zum Alltag.

Doch die Merkel von 2017 ist nicht mehr die unbekümmerte Person, die sie vor zehn Jahren war. Wer neue Bilder von ihr betrachtet – ihr steinernes Gesicht, den oft flackernden Blick, Schweiss auf der Stirn –, dem erschliesst sich ein anderes Urteil. Hier hat jemand Angst, aus der Geschichte befördert zu werden. Ihr schwant, dass ihre inszenierte Rolle als Führerin des freien Europa sich dem Ende zuneigt. Möglich, dass ihr künftig ein Platz in der zweiten Reihe droht oder noch weniger. Eine grosse Gestalterin war sie nie, aber seit Jahren verwaltet sie nur noch. Bestenfalls hält sie, wie man so schön sagt, den Laden zusammen. Aber sie weiss: Jede Glückssträhne kommt an ihr Ende. Warum hat sie also noch einmal kandidiert?

Das Beste an Merkel ist ihre selbstreferenzielle Alternativlosigkeit. Frieden mit Merkel. Zukunft mit Merkel. Mit Merkel passiert schon nichts. Das hatte sich tief eingegraben ins Bewusstsein der Deutschen – bis die «Flüchtlinge» kamen. Und jetzt auch noch Trump. […] Den gesamten Gastbeitrag von Hans-Herrmann Tiedje auf Neue Zürcher Zeitung lesen

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