Gastbeitrag: Da blieb mir das Lachen im Hals stecken

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Die „Heute-Show“ des ZDF zeigte in ihrer Sendung vom 2.2.2018 folgenden Beitrag:
Ein anscheinend der deutschen Sprache selbst nicht mächtiger Redner, der durch ein vor ihm stehendes Schild als “ Amann, AFD“ ausgewiesen wird, spricht in nur schwer verständlicher Artikulation darüber, dass zur Integration von Migranten die Beherrschung der deutschen Sprache gehöre. Der Beitrag zielt ganz offensichtlich darauf ab, einen Widerspruch aufzuzeigen zwischen dem Anspruch der AfD an Migranten und dem eigenen Unvermögen. Über so einen Widerspruch darf man natürlich lachen, und er darf auch in einer politischen Satire thematisiert werden. Der Beitrag erzielte beim Publikum die gewünschte Wirkung und es wurde laut gelacht. So weit, so gut, und so unspektakulär.

Eine ganz andere Sicht der Dinge ergibt sich, wenn man erfährt, dass es sich um einen erfahrenen Verwaltungsfachmann handelt, der in dem nicht gezeigten Anfangsteil seines Vortrags einräumt, dass er stottert und die öffentliche Rede für ihn ungewohnt sei. Beim Anhören des gesamten Vortrags fällt auf, dass für die ZDF-Sendung offenbar gezielt ein Rede-Ausschnitt ausgewählt wurde, in dem für einen Laien nicht unbedingt sofort klar ersichtlich ist, dass es sich um Stottern, also eine sprachliche Behinderung handelt. Der unbedarfte Zuhörer könnte es auch für ein „Kauderwelsch“ anderer Ursache (zb Trunkenheit, Dummheit) halten. Das ZDF nutzt hier verdeckt die spezielle Behinderung eines einzelnen Menschen, um sich über die AfD lustig zu machen. Ob das Publikum bei diesem Wissen auch den Behinderten wegen seiner Behinderung ausgelacht hätte? Ich meine, ein normal empfindender Mensch hätte das nicht getan. Und er schämt sich nachträglich in Grund und Boden, wenn ihn der Moderator einer öffentlich-rechtlichen Sendung bewusst in so eine Situation gebracht hat. Oder macht das Etikett „AfD“ inzwischen vogelfrei?

Der gesamte, fachlich absolut überzeugende Original-Vortrag ist oben zu sehen. Und die Zuhörerschaft, einschließlich des anwesenden Herrn Wolfgang Schäuble (ja, der Gelähmte im Rollstuhl!), hat übrigens nicht gelacht.

Die Sendung in der Mediathek (ab ca. Minute 15)

Ein Gastbeitrag von Lena Becker


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