Frankreich: „Die Polizei hat uns allein gelassen“ – Schwere Unruhen zwischen bewaffneten Migranten in Dijon

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Die ostfranzösische Stadt Dijon hat vier Tage in Folge schwere Unruhen erlebt. Teils schwer bewaffnete junge Männer liefern sich wilde Straßenschlachten. Berichten zufolge seien Hunderte Tschetschenen in die Stadt gekommen, um einen Angriff auf einen von ihnen aus Dijon zu rächen. Auf der anderen Seite bewaffneten sich zahlreiche junge Männer aus Nordafrika, um sich zu verteidigen. Die Polizei habe sie tagelang allein gelassen, behaupten zwei von ihnen.

Die Aufnahmen vom Montag zeigen zahlreiche junge Männer, teilweise bewaffnet und viele davon, die ihre Kapuzen bis ins Gesicht gezogen haben. Im Gebiet liegen Trümmer, die in Brand gesetzt wurden. Ein Mercedes brennt. Bei ihnen soll es sich um Anwohner aus dem Stadtteil Grésilles handeln, die sich vor Tschetschenen verteidigen wollen. Wie es bei RTL heißt, kamen die am Montagabend aber nicht.

Die Hintergründe für die Gewalt werden derzeit untersucht, aber lokale Beamte mutmaßen, dass sie mit Drogenhandel und Spannungen zwischen Mitgliedern der tschetschenischen Gemeinschaft in Frankreich und anderen Gruppen zusammenhängen. Polizeiquellen zufolge sei der erste Ausbruch nach dem Angriff eines 16-jährigen jungen Mannes aus der tschetschenischen Gemeinde am 10. Juni gestartet. Der Lokalsender France Bleu berichtet, dass der Junge von örtlichen Drogenhändlern angegriffen wurde. Angeblich hatten daraufhin Mitglieder der tschetschenischen Gemeinschaft in sozialen Netzwerken zur Rache aufgerufen, weil die Täter auf freiem Fuß blieben. Am Freitag brachen dann Kämpfe aus. France Bleu berichtet auch, dass am Wochenende bei den Unruhen einem Mann in den Rücken geschossen wurde.

RTL zitiert den Bürgermeister von Dijon, François Rebsamen, dazu:

Drogenkonflikte? Das kann ich Ihnen nicht sagen. […] Jugendliche nordafrikanischer Herkunft verprügelten einen jungen Tschetschenen, und da sie nicht verhaftet wurden, kamen 150 oder 200 Tschetschenen, um […] sich zu rächen. Drei Tage lang terrorisierten sie einen der schönen Bezirke von Dijon.

Der beklagt zudem, dass es der Polizei vor Ort an allem mangele.

Bis einschließlich Sonntagabend gelang es ihm aufgrund der beschränkten Ressourcen nicht, die Angriffe effektiv abzuwehren. Erst am Montagabend, nachdem das Innenministerium „eine entschlossene Reaktion“ auf die „gewaltsamen Störungen der öffentlichen Ordnung und Einschüchterungsaktionen“ versprochen und Verstärkung geschickt hatte. Am selben Abend zerstreute die nun stärker präsente Polizei die Gruppen vermummter und bewaffneter Männer, die ihre Nachbarschaft verteidigen wollten.

Vor der Kamera behauptet einer der Männer:

Wir müssen uns verteidigen. Wir haben keine andere Wahl. Es war drei Tage lang keine Polizei hier. Das ist enorm, drei Tage. Drei Tage lang kamen etwa 200 Autos an. Wir haben keine Ahnung, wer diese Leute sind. Wir mussten uns allein durchschlagen.

Ein anderer schildert auch, dass die Menschen den Angriffen allein ausgesetzt waren:

Wir waren drei Tage lang auf uns allein gestellt. Wir verstehen es einfach nicht. Deshalb ist der Spitzname des Präfekts jetzt ‚Bernard [Schmeltz] Kadyrow‘. Wir fordern seinen sofortigen Rücktritt. So einfach ist das. Wir wollen seinen Rücktritt.

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