Emden: Drei Polizisten in ihrer Freizeit bei Disco-Besuch attackiert – Schwerste Verletzungen

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Emden: Täter nach Attacke auf Polizisten ermittelt. Drei Polizisten sind am Wochenende in einer Emder Diskothek angegriffen und dabei teils schwer verletzt worden. Die Männer waren privat unterwegs, wurden aber offenbar als Polizisten erkannt. Während des Einsatzes wurden hinzugerufene Beamte massiv behindert. Die Täter konnten deshalb zunächst fliehen, wurden jedoch inzwischen identifiziert. Unbekannt ist, ob sie bereits gefasst wurden.

„Wir mögen hier keine Bullen“
Nach Angaben der Ermittler wurde in der Nacht zu Sonntag in der Diskothek am Neumarkt zunächst ein 22-jähriger Beamter „plötzlich und unvermittelt“ von einem der mutmaßlichen Täter mit dem Ausruf „Wir mögen hier keine Bullen“ auf der Tanzfläche angerempelt. Einem Schlag mit einer leeren Flasche in Richtung Kopf konnte der Polizist ausweichen, er wurde jedoch an der Schulter getroffen. Durch einen Tritt ins Gesicht ging er aber schließlich zu Boden, dann kamen weitere Personen hinzu und traten auf den 22-Jährigen ein.

Alle Polizisten sind dienstunfähig
Als ihm seine beiden Kollegen zu Hilfe eilen wollten, seien auch sie von der Gruppe angegriffen worden, so Polizeisprecherin Annika Zempel. Sie seien ebenfalls zu Boden gebracht, mit Füßen getreten und an den Köpfen verletzt worden. Personen, die den drei Polizisten helfen wollten, kamen der Polizei zufolge auch zu Schaden. Vor der Disko ging die Schlägerei weiter: Dort schlug ein 17-Jähriger von hinten einem der verletzten Polizisten mit der Faust gegen den Kopf. Alle drei Beamten seien dienstunfähig, so Zempel. Einer sei so schwer am Kopf verletzt worden, dass er zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Personen behindern Polizeieinsatz
Die von Zeugen alarmierte Polizei hatte es offenbar nicht einfach, die Situation am Neumarkt zu bewältigen. Zwischen 80 und 100 Menschen behinderten die Arbeit der Beamten. Darunter seien Schaulustige und Gäste der umliegenden Lokale gewesen, aber auch alkoholisierte Personen, so Zempel. „Aus der Menge heraus wurde versucht, die Einsatzkräfte an der Feststellung von Personalien von unbeteiligten Zeugen zu hindern und polizeiliche Maßnahmen zu erschweren oder gar zu verhindern.“ Gegen diese Personen werde nun ebenfalls ermittelt. Diese Situation ermöglichte es den Tätern, zu entkommen.

Mehrere Täter ermittelt – drei sind polizeibekannt
In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Aurich sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der gefährlichen gemeinschaftlichen Körperverletzung gegen die Tätergruppe eingeleitet worden, hieß es. Mehrere Tatverdächtige konnten nach Angaben der Polizei bereits ermittelt werden. Bei ihnen handele es sich um eine Gruppe von Männern zwischen 20 und 28 Jahren. Sie seien Bekannte und Verwandte des Mannes, der die Schlägerei auf der Tanzfläche begonnen hatte, so Sprecherin Zempel. Einem bestimmten Milieu seien sie nicht zuzuordnen. Drei von ihnen seien der Polizei bekannt, darunter ein 28 Jahre alter Mann, der nach bisherigen Erkenntnissen an körperlichen Auseinandersetzungen und Bedrohung Mitte Mai beteiligt war. Auch im Oktober hatte er gemeinsam mit einem 20-Jährigen, der ebenfalls Teil der Gruppe war, einen Polizeieinsatz am Neumarkt erheblich behindert, wie es hieß. Ob die Täter bereits gefasst sind, dazu macht die Polizei keine Angaben.

Polizeidirektor ist „fassungslos und entsetzt“
Bereits unmittelbar nach dem Vorfall am Wochenende äußerte sich Polizeidirektor Johannes Lind: „Die Vorstellung, dass meine Kollegen aufgrund ihres Berufes in ihrem Privatleben solch brutalen Angriffen ausgesetzt sind, entsetzt mich.“ Dass dann noch polizeiliche Ermittlungen durch umstehende Personen vereitelt worden seien, statt Hilfe zu leisten, mache ihn fassungslos. „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um zu verhindern, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt.“

Pistorius: „Polizei ist kein Freiwild“
Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zeigt sich betroffen von den Vorkommnissen: „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Hemmschwelle bei Gewalt gegen Polizeibeamte, aber auch zum Beispiel gegen Rettungskräfte, immer weiter sinkt und die Angriffe immer roher werden.“ Polizisten seien kein Freiwild – „sie halten für uns alle immer wieder ihren Kopf hin“. Es brauche ein gesellschaftliches Klima, dass der Polizei besonderen Respekt für ihren Job entgegenbringe, „denn sie schützt unsere Demokratie und unser zumeist friedliches Leben“. In seinem Statement verwies der Politiker auch auf die zurückliegende Innenministerkonferenz, bei der die zunehmenden Angriffe auf Polizei, Justiz, Soldaten, aber auch etwa auf Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz scharf verurteilt wurden.

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