Dumm gelaufen? Gil Ofarim, die Davidstern-Kette und die Überwachungsvideos

7461

In den meisten Fällen hat eine Geschichte zwei Medaillen, vielleicht auch die nachfolgende: Gil Ofarim hatte schwere Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Hotels Westin erhoben und Anzeige erstattet. Ein Mitarbeiter an der Rezeption habe den Sänger aufgefordert, seine Kette mit einem Davidstern abzunehmen, erst dann könne er einchecken. Die jetzt aufgetauchten Überwachungsvideos zeigen aber, dass Ofarim offenbar gar keine Kette mit einem sichtbaren Davidstern trug.

Was ging für eine Empörungswelle wegen Antisemitismus durch Deutschland, ohne die Ermittlungen abzuwarten gab es Vorverurteilungen, in der ersten Reihe der Zentralrat der Juden: „Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.“

Danach Anna Staroselski, die Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, twitterte zu den Vorwürfen: „Es reicht! Wir wollen uns nicht mehr verstecken! Antisemitismus“. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sprach von einem „unfassbaren Fall“ und einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG): „Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben.“

Und das Bündnis „Leipzig nimmt Platz“ rief dann auch gleich zu einer Demo vor dem „Westin“ auf, um mit allen Jüdinnen und Juden Solidarität zu zeigen.

Wie Focus Online berichtet: Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ hat die Leipziger Polizei inzwischen „erhebliche Zweifel“ am ursprünglich geschilderten Ablauf der Ereignisse. In einer Vernehmung habe Ofarim gesagt, er wisse nicht mehr sicher, ob er an dem Abend eine Kette trug.

Sollte sich herausstellen, dass die Geschichte zum Himmel stinkt, dann möchte man gerne in die bedröppelten und sprachlosen Gesichter der Vorverurteiler schauen, die auf eine oscarreife Inszenierung reingefallen sind.

Folgt Politikstube auch auf: Telegram