Bundestag berät über Pflegeberufe – aus Drei mach Eins

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M6544Ob es Wunderheiler Hermann Gröhes Vorschlag war, weiß ich nicht, aber eine neue Reform in der Pflege soll nun alles retten, was die letzten Jahre massiv den Bach runtergegangen ist. Wunderheiler Gröhe hatte schon die grandiose Idee, Arbeitslose in Schnellkursen zu „Fachkräften“ für Demenzkranke ausbilden zu lassen. In den Niederlanden dauert die spezielle Ausbildung hierfür sieben Jahre, in Deutschland mindestens drei mit einer Vielzahl an zusätzlichen Kursen. Hauptsache man nimmt kein Geld in die Hand und tut etwas an der Front, wo es mit am Nötigsten ist: bei der Pflege von Senioren und kranken Menschen. Weder in Ausbildung von Personal noch in eine entsprechende Bezahlung geschweige denn in Aufstockung von Personal wird investiert, alles natürlich auf Kosten der Betroffenen. Es hat halt eben nicht jeder das „Glück“ sich privat versichern zu können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Merkel und ihre Gefolgschaft auch nur jemals eine Minute im Wartezimmer gesessen haben.

Nun kommt der nächste wahnwitzige Vorschlag: heute berät der Bundestag über die Reform der Pflegeberufe. Hauptbestandteil sind die bisher getrennten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenzulegen und neu auszurichten. „Damit soll besonders die Altenpflege aufgewertet werden und ein Wechsel innerhalb der Pflegeberufe“ leichter fallen.

Also machen wir mal wieder aus der Not eine Tugend und erfinden eine weitere eierlegende Wollmilchsau. Anstatt einfach etwas mehr zu investieren und die Missstände zu beseitigen, sollen nun drei komplette Fachrichtungen durcheinander geworfen werden. Man kann nur hoffen, dass sich dann niemand mehr auf diese Berufe bewirbt, denn somit soll erreicht werden, dass jeder Zeit überall einsetzbar und abrufbereit ist. Was ist das denn für ein Schrott? Also morgens alte Menschen waschen, kurz danach mit Demenzkranken Fensterbilder ausschneiden, danach in die Notaufnahme Blut abnehmen, danach in den Gipsraum Knochen schienen, schnell noch eine Stunde auf die Palliativstation Leute absaugen und wiederbeleben und ganz zum Schluss anderer Leute renitente Kinder am Besten in einem Integrationskindergarten betreuen.

Man kann nur hoffen, dass sowas abgelehnt wird, denn so kommt jede betroffene Gruppe mehr als nur zu kurz. Ärzte müssen sich für eine Fachrichtung entscheiden und sich spezialisieren, aber bei dem „Fußvolk“ soll das nicht nötig sein? Und was ist mit dem ganzen bisher speziell ausgebildeten Personal? Vielleicht hat man auch persönliche Gründe, warum man gerade mit Kindern, Kranken oder Senioren arbeiten möchte und dann beschließen einfach ein paar aus dem Tal der Ahnungslosen im Bundestag irgendetwas, wovon sie keine Ahnung haben.

So eine Entscheidung kann nur ins Chaos führen und das eh schon desaströse Pflege- und Krankensystem weiter ins Chaos stürzen. Als nächstes dürfen dann nicht examinierte pflegerische Hilfskräfte auch alles machen, wofür das dann noch trennen? Hier wird bewusst ein massiver Qualitätsverlust herbeigeführt und als neuer Superberuf verkauft, zumindest soll es versucht werden. Dann kann man doch auch alle Wald- und Wiesenanwälte zu Bedarfsrichtern umschulen, das geht sicherlich auch ratzfatz und man könnte die Berge an Akten endlich mal abarbeiten. Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Richter, alles gleich. Tierärzte können dann auch demnächst als Zahnarzt und/oder Internist arbeiten, das machen sie ja eh auch alles beim Tier. Aber so Leute wie Schäuble, Von der Leyen etc. gehen als strahlendes Beispiel voran das es geht, kein Ministerjob den sie nicht annehmen würden, um sich wichtig zu machen.

Als wenn es nicht schon reicht, dass es in Krankenhäusern für zwei Stationen eine Nachtwache gibt, in Pflegeheimen eine examinierte Kraft nachts mit einer unmotivierten Hilfskraft knapp 60 Leute alleine zu überwachen hat und das ganze Personal gefeuert und über Zeitarbeitsfirmen wieder eingestellt wird, um eigene Niedriglohn-Haustarife zahlen zu können, jetzt sollen auch noch schnellbesohlte Praktikanten auf alle losgelassen werden, die nicht bei 100% sind nach dem Motto: das wird schon klappen. So wird höchstens ganz gefährliches Drittelwissen schnellausgebildet, um einem Mangel ansatzweise Herr zu werden. Die Staatsanwälte reiben sich bestimmt schon die Hände, bei so vielen anstehenden Pflegefehlern kann man bestimmt die Hälfte der topmotivierten Alleskönner verklagen und sich die Taschen weiter vollstopfen, aber nach außen hin klagen, man würde nichts schaffen.

Hoffentlich wird dieser Vorschlag abgelehnt, und wenn es schon nicht aus Vernunft ist, dann doch bitte zum Wohle aller betroffenen kranken, pflege- und hilfsbedürftigen Menschen. Und ganz wichtig: nicht vergessen weiter Milliarden für „Schutzbedürftige“, „Verfolgte“ und „Menschen in Not“ auszugeben, Grundvoraussetzung ist natürlich ein ausländischer Pass oder einfach gar keiner, das sind wohl die Einzigen, die in Not sind. Nein, denn auch einheimische kranke Senioren, Kinder und/oder Erwachsene sind ebenfalls schutz- und hilfsbedürftig, so auch das ganze Personal, welches seit Jahren auf Sparflamme gefahren und komplett verheizt wird.

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